Tree

»Between A Rock And A Hard Place«

Boomslang Records

»Subtil agierendes Piano-Trio, das leise aus der Reihe tanzt …« – so wird dieses Werk auf der Website von Boomslang Records beschrieben. Bekanntermaßen sind Sarkasmus und bewusste Unter- bzw. Übertreibungen in digital-schriftlicher Form schwer zu erkennen. In diesem Fall hoffe ich, dass ebenjener Umstand hinter diesem Statement steht. Denn das neue Werk von Bassist Andreas Waelti, Pianist Georg Vogel und Schlagzeuger Michael Prowaznik als »subtil agierendes Piano-Trio« zu bezeichnen, das nur »subtil aus der Reihe tanzt«, wäre geradezu skandalös. Hinter dem Namen Tree verbergen sich drei der umtriebigsten und vielseitigsten Musiker der heimischen Szene, die hier alle Hüllen und Hemmungen fallen lassen und jedem Euzerl Inspiration, das in ihnen lungert, den nötigen Raum geben. Entsprechend explosiv und geradezu aus der Reihe berstend präsentieren sich die Stücke, von denen drei aus Georg Vogels Feder und zwei von Andreas Waelti stammen. Sie durchwandeln allesamt sämtliche musikalische Aggregatzustände, von luftig anmutenden, freieren Stellen über sanft fließende Passagen bis hin zu steinhart uptempo-swingenden Eskapaden ist alles dabei. Das besondere hierbei: Das enorm hohe Maß an technischem Verständnis ihrer Instrumente wird auf dem Silbertablett serviert, wirkt aber zu keinem Zeitpunkt je aufdringlich oder sich-beweisen-wollend. Nein, stets stehen die Kompositionen im Vordergrund, die in ihrer Natur derartiges Vermögen verlangen. Man füge noch das musikalische Bauchgefühl hinzu, das die Drei durch dieses kompositorische Labyrinth zu führen scheint, und man erhält einen wirklich aufregenden, mitreißenden Trip. Michael Prowazniks Schlagzeug hat im Mixing enorm viel Bühnenfläche bekommen, der Klang des Holzes ist auf den unterschiedlichen Becken en détail wahrzunehmen. Dekonstruiert wirkt sein Spiel dennoch nicht, vielmehr ist er stets mit ausufernden, aber nie verfehlenden rhythmischen Gratwanderungen damit beschäftigt, den Laden zusammenzuhalten. Georg Vogel brilliert auf diesem Album vor allem durch gezieltes Einsetzen zahlreicher Pausen in seinem Spiel. Er lässt seine Ideen gerne atmen und gibt ihnen Raum, nachzuwirken, bevor er sich auf die nächste Eingebung wirft. Wenn Prowaznik dafür sorgt, dass das Haus nicht auseinanderfällt, so ist Waelti derjenige, der es am Boden hält, während der Vogel am Dach einen Heliumballon nach dem anderen festbindet. Die Chemie, die die Musiker innerhalb dieser fordernden Kompositionskomplexe entwickeln, hat eine manische Schönheit, eine verrückte Spannung in sich, der sich kaum eine*r mit funktionierenden Ohren entziehen kann. »Between A Rock And A Hard Place« kommt in den Diskographien der Mitwirkenden geradezu beiläufig daher (Prowazniks Projekt Sketches on Duality ist gerade FM4-Soundpark-Act des Monats, Georg Vogel hat ein Klavier entworfen, das 31 Töne pro Oktave zu spielen vermag, und Andreas Waelti steht jeden Abend mit einer anderen Formation auf der Bühne!), ist jedoch ein Meilenstein für jeden Einzelnen der Beteiligten. Österreichs Jazzszene wird eine Weile suchen müssen, bis Sie ein Trioalbum finden wird, das mit diesem mithalten kann.

Tree präsentieren ihr Album am 26. Juni 2019 live im Porgy & Bess in Wien: http://porgy.at/events/9326/

Links:
http://www.georgvogel.net/PROJEKTE-TREE.htm
http://www.andreaswaelti.com/