Various Artists

»Trax Records 20th Anniversary Collection« | »Trax Records Acid Classics«

Trax Records/Import

Die bekannte Geschichte beginnt so: Erstens: »Acid Tracks« war ein »Unfall«, weil DJ Pierre plötzlich einfach an den Knöpfen eines Roland-303 herumgedreht, draufgehaut und sich dabei mit Dosenbier verköstigt hat (so Marshall Jefferson). Zweitens: Beim Abmischen von Sleezy D.s »I’ve Lost Control« wollte Jefferson nichts weniger als die Stimmung von Led Zeppelins »Whole Lotta Love«, Black Sabbaths »Paranoid« und Jimi Hendrix‘ »Electric Ladyland« nachstellen. Kann man beides nicht oft genug erwähnen. Wie auch die Tatsache von Kontakten zu damaligen Chicagoer Extremo-Szenen um Acts wie Ministry, Die Warzau, also zu Industrial (meine ersten Acid-Trax aus Chicago konsumierte ich in totaler Tanzboden-Ausblendung zuerst sowieso nur als willkommene Gelegenheiten endlich so was wie Throbbing Gristle-Backing-Tapes »pur« zu hören), zu New Wave und zu Electro/HipHop (Grandmaster Flash, Afrika Bambaataa) oder die Wertschätzung der Mitte der 1980er noch in ihren Kinderschuhen – aber schon sehr selbstbewussten – Chicagoer House-Szene der frühen Jahre gegenüber Leuten wie Bobby Orlando (Divine), Prince und Madonna. Feine Sache, dass alles jetzt kostengünstig auf zwei in schwerem Doppel-Vinyl daherkommenden Samplern wieder hören und vor allem spielen zu können. Mit dabei alles von Marshall Jeffersons genredefinierenden Gospel-Piano-Introduction (»Move Your Body«) über Frankie Knuckles in Sachen sexuellen Vorlieben extremst indifferenten – also ultraqueeren – Prince- Verbeugung und Green Velvet-Vorwegnahme (»Baby Wants To Ride«) über Robert Owens (»Bringing Down The Walls«), Adonis (»No Way Back«), Ralphi Rosario (»You Used To Hold Me«) bis hin zu Knallern wie Phuture/Larry Heard (»Slam«) und Mr. Fingers (»Can You Feel It«). Auf der Acid-Seite dann besagter »Unfall« (Phutures »Acid Tracks«) sowie eine der wohl durchgeknalltesten Visionen einer futuristischen »Black Science Fiction«: »Washing Machine« von Fingers Inc./L. Heard (eiert genauso wie es der Titel vermuten lässt). Aber auch Tracks wie »Battery Acid«, »That Shit’s Wild«, »The Acid Life«, »Bango Acid« halten was sie versprechen und erklären auch die Genese des Begriffs »Acid« als Erinnerung an die Sixties (etwa an die Doors) wie auch die Verwunderung in Europa, nachdem bekannt wurde, dass in Chicago eigentlich niemand Acid oder Ecstacy nimmmt, wohingegen am Kontinent fast alle Pillen warfen, um so zu sein/klingen wie die Chicagoer House-Acts. Aber dann kam eh Rave.