»They Ain't Making Jews Like Jesus Anymore«

Humorvolles und ein Homemovie gab es im Rahmen einer Matinee bei den Jüdischen Filmwochen im De France-Kino zu sehen: Simone de Vries Doku »Kinky Friedman – Proud To Be An Asshole From El Paso« wurde mit »Shalom Y’All« gezeigt. Die gemeinsame Programmierung erfolgte wohl, weil der Autor und Countrysänger Kinky Friedmann in beiden Filmen vorkommt.

»Du wirst allein geboren. Stirbst allein. Also kannst Du Dich auch daran gewöhnen.«
Richard »Kinky« Friedmann, 1944 oder 1945 in Texas oder Chicago geboren, polarisiert sogar was Zeit und Ort seiner Geburt anbelangt. Friedmann, Mitglied des Friedenskorps in Borneo, Gründer der Countryband The Texas Jewboys, Krimiautor und Zigarrenraucher, und neben Jesus – laut eigenen Angaben – der bekannteste Jude in Texas, steht im Mittelpunkt der Dokumentation von  Simone de Vries: »Kinky Friedman – Proud To Be An Asshole From El Paso«.
Im ca. einstündigen Portrait kommen neben dem Kinkster himself, auch seine Schwester, Mitglieder der Texas Jewboys, Countrylegende Willie Nelson oder deklarierte Fans wie Bill Clinton zu Wort. Bei so einer Persönlichkeit wie Kinky Friedmann konnte Simone de Vries eigentlich kaum etwas falsch machen: gehobene Unterhaltung, die auch zum Nachdenken anregt ist garantiert. Vote for Kinky! (seiner Homepage http://www.kinkyfriedman.com ist zu entnehmen, dass er sich für das Amt des Texanischen Gouverneurs 2006 bewirbt.)

Gemeinsam mit diesem Film wurde Brian Bains Dokumentation »Shalom Y’All« gezeigt. Die folgt einem guten Ansatz: Der junge Filmemacher macht sich im Süden der U.S.A. auf die Suche nach jüdischen Menschen und Traditionen. Bains Familie ist jüdisch und so interviewed er immer wieder seinen 99 Jahre alten Großvater. Bain folgt in seiner Doku einem Stil, den etwa Ross McElwee – heuer auch bei der Viennale zu sehen – hervorragend beherrscht: Persönliche Betroffenheit ist der Ausgangspunkt, im Film kommt auch der Filmemacher immer wieder selbst vor. Doch anders als bei McElwee fehlt »Shalom Y’All« der rote Faden, der den Film zusammenhalten sollte. Man kann eine Doku natürlich auch so aufbauen, dass man einfach irgendwelche Leute zum jeweils zu portaitierenden Thema interviewed. Wenn die aber nichts Interessantes zu sagen habe, sollte das Material am Schneidetisch verbleiben und nicht den weg bis ins Kino finden.
Außerdem verärgert mit Fortdauer des Films eines immer mehr: Das Video-Format, dessen Auflösung für die Projektion in einem Kinosaal nicht ausreicht. Resümee: Guter Ansatz, weil das Thema interessant wäre, die Umsetzung könnte aber besser sein.

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