Elliott Sharp

»The Velocity of Hue«

Emanem

Im Fall von Sharp kann ich die vielen Vorbehalte der Leute verstehen, wenn es um seine sehr unterschiedliche – oder sagen wir – unselektierte Diskographie geht, denn wenn Sie sich einmal eingehender damit zu beschäftigen beginnen und seine Gastauftritte und Sessions von seiner eigenen, selbständigen Arbeit trennen, können Sie zu einem völlig anderen Schluss kommen. »The Velocity of Hue« ist ein akustisches Soloalbum, in dem Sharp viele musikalische Fäden seiner bereits sehr langen Karriere wieder aufnimmt. Gleichzeitig ist es eine Geschichte, ein langer Flug über viele musikalische Pfade und Wurzeln von Blues bis Ethno, eine Reise von der uns umgebenden Welt in seine eigene Welt der Komposition und Spieltechnik. Niemals aber werde ich vergessen, dass Elliott Sharp ein Pionier ist, dass er einer der ersten war, der verschiedene Genres in neue Formen gegossen hat, dass er bereits mit einer Band spielte, als es noch üblich war, sich einfach zu treffen, dass er mit Zeena Parkins einen Sound kreierte, von dem niemand genau sagen konnte, ob das nun Noise, Hardcore oder Grunge – und noch dazu improvisiert – ist und so weiter. Ich stehle Marc Ribot die letzten Zeilen der Liner Notes, die er zu diesem Album beigesteuert hat: »Elliott aber verschmilzt weder einzelne Elemente, noch hüpft er von einem Genre zum nächsten. »Velocity« ist kein Akt der Fusion, sondern vielmehr die Entdeckung/Erfindung eines »Ortes« des gemeinsamen Ursprungs, ein einsames, vergessenes Delta, wo elektronische KomponistInnen schon immer in den Bars mit Blind Willie Johnson und tuvinischen ObertonsängerInnen gejammt haben … Ein wunderschönes Album«.