The Souljazz Orchestra

»Chaos Theories«

!K7/Strut/Hoanzl

»Chaos Theories« ist das neunte Album des Souljazz Orchestra seit seiner Gründung im Jahr 2002 – und obwohl sich die Band mit jedem Album insofern treu geblieben ist, als sie »politically outspoken« und »straight in your face« blieb, hat sie doch auch jedes Mal den stilistischen Fokus mehr oder weniger stark verschoben, von Afrobeat zu Funk und Soul oder Jazz, was aber ohne chamäleonartige Anpassung an Moden und kollektiven Zeitgeist geschah und somit recht erfrischend wirkte. Militant Rockers, um einen Genre-Begriff aus der Reggae-Historie zu verwenden, kommt einem schon nach wenigen Takten des Openers von »Chaos Theories«, »Charlie Foxtrott«, in den Sinn; Militant Rockers allerdings nicht in der jamaikanischen Konnotation, sondern in seiner britischen Lesart, was unter anderem punkigen Reggae, linke Pop-Attitüden und Widerstand an der Front der städtischen Randbezirke impliziert. Clashige Titel wie »Police the Police« oder »General Strike« oder auch der widerborstige Irokese am Cover lassen zurecht solidarische Grüße aus den 1980s vermuten, als Bands wie die auf diesem Album allgegenwärtigen Clash und BAD (Big Audio Dynamite), die Specials oder Pig Bag die Opinion rockten. Das hat Charme, ist zeitweise nachgerade sympathisch und verspricht einigen Sponti-Fun. Vom punky Ska-Rock der Clash in ihrer »Sandinista«-Phase über den skankenden, soul-jazzigen Dope-Reggae der frühen UB40 bis zum Chic’schen Disco-Funk und geschniegelten Pop à la Style Council, Police oder Kid Creole ist alles mit im Melting Pot dieses Albums – die Revolution als permanentes Deja-vu-Erlebnis. Und zum Schluss die achtminütige Ballade »Well Runs Dry«, die trotz der Horns an noch so eine Lieblingsband der 1980s erinnert, die Pogues.