The Queen

Stephen Frears zeigt eine Hommage an Elizabeth II., eine der berühmtesten und zugleich unbekanntesten Frauen der Welt. Oder: Wie Tony Blair die britische Monarchie rettete.

»Themen zu finden, die noch lebendig sind und nicht schon breitgetreten wurden, ist sehr schwer.« Stephen Frears Vor beinahe zehn Jahren wurde Tony Blair Premierminister. Von dem Politiker mit dem bubenhaften Lächeln wurde erwartet, Großbritannien umzukrempeln. Doch nach wenigen Monaten sollte ein unpolitisches Ereignis das Vereinigte Königreich bis in die Grundfesten erschüttern. Der Tod Diana Spencers und der scheinbar inadäquate Verhalten der königlichen Familie lösten Trauer und Empörung aus. Die Akzeptanz des Königtums und die Beliebtheit der Königin sanken auf ein Rekordtief. Presse und TV attackierten Elizabeth direkt. Erst die Rückkehr der Royals nach London und die Live-Rede der Königin versöhnte das Volk wieder mit seiner »Herrscherin«. Offenbar war es Tony Blair, der mit persönlicher Intervention und Ratschlägen die Königlichen zu einem zeitgemäßen (und medienwirksamen) Umgang mit dem Tod der Ex-Prinzessin bewegen konnte.

»Tatsächlich ist es ein Film über Werte.« Michael Sheen

Dieses kurz zurückliegende Stück Zeitgeschichte bildet die Grundlage von Stephen Frears Film. Der Regisseur von Filmen wie »Gefährliche Liebschaften« und »High Fidelity« liefert keinen billigen Schnellschuss-Dreh für die Sonntagabend-Alternative zur Rosamunde-Pilcher-TV-Romanze, sondern ein ernsthaftes (Königs-) Drama – wenngleich mit Augenzwinkern. Eine Geschichte der Konfrontation von Tradition und Veränderung, deren HeldInnen Tony Blair und Elizabeth die II. heißen. Dargestellt werden die beiden von Michael Sheen und Helen Mirren. »The Queen« ist sowohl dokumentarisch wie auch fiktional, das Gezeigte hält sich akribisch an die Tatsachen, soweit sie (öffentlich) bekannt sind, enthält aber auch frei Erfundenes. Im Gegensatz zu einem Großteil biografischer Pictures findet hier jedoch keine Verkitschung/Glorifizierung/Verklärung statt. Auch ergeht man sich nicht in großartigen Spekulationen.

»Ich sah mich als Porträtistin.« Helen Mirren

Dank der Zurückhaltung der Schauspieler, der Unaufdringlichkeit von Kamera, Beleuchtung und Ausstattung hebt sich der Film wohltuend von der Illustrierten-Ästhetik ab, die die Stories um Diana und die Royals prägten. Zwar bleiben die Figuren etwas klischeehaft (aber das haben Satiren so an sich): Prince Philipp (James Cromwell) gibt sich bärbeißig, Charles (Alex Jennings) arbeitet tölpelhaft und opportunistisch an der Aufbesserung seines Images, Königin Elizabeth (Helen Mirren) bleibt stets distanziert und selbstbeherrscht, Queen Mum (Sylvia Syms) labt sich an ihrem Gläschen Gin… Dennoch sind die Charaktere mit Respekt gezeichnet. Die Geschichte, die Frears und sein Team anbieten, deckt sich mit dem, was unzählige Porträts und Dokus uns in den Jahren seit Lady Dis Tod über Elizabeth II. und die Ihren vermittelt haben. Etwas Neues erfährt der Zuschauer nicht. Aber gerade das Nicht-Sensationelle macht diesen Film aus.

»The Queen« (R: Stephen Frears, Großbritannien/Frankreich/Italien 2006)
Seit 12.1.2007 in österreichischen Kinos

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