The Ghost and the Machine

»Red Rain Tires«

Noise Appeal Records

Die Wiener/Dresdner Band The Ghost and the Machine hat auf ihrem zweiten Album »Red Rain Tires« den an Calexico und frühe Wilco angelegen Desert-Folk-Sound auf ein hohes Niveau gebracht. Was sie aber von eben genannten amerikanischen Genre-KollegInnen unterscheidet, ist, dass die Instrumente für sich ein wichtiger Teil des Klangbildes sind. Bandleader und Sänger Andi Lechner ist bekannt für sein dreckiges Spiel auf alten Resonator-Gitarren, die das Erscheinungsbild des Albums wesentlich mitprägen. Fallen diese weg und werden durch E-Gitarren ersetzt, verschwindet mit ihnen auch ein Teil des prägenden akustischen Images der Band, das neben ebendiesem Gitarren-Sound von Lechners Stimme und auch vom wunderbar holzigen Kontrabass-Sound der Bassistin Heidi Fial getragen wird. Mit Liebe zum Detail, aber ohne Hang zur Überproduktion ist man an die Aufnahme dieses Albums herangegangen. Das Trio ist stets als solches erkennbar, zum einen durch großartiges Mixing, das an dieser Stelle hoch gelobt sei, zum anderen durch die bereits genannten charakteristischen Spielweisen der MusikerInnen. Gemastert wurde das Album übrigens von Gavin Lurrsen, der bereits Platten von James Taylor, Tom Waits und Queens of the Stone Age eine finale Überarbeitung verpasst hat. Kleine Gimmicks wie von »Sympathy For The Devil« entlehnte »Whoo-hoo«-Backing-Vocals oder die saftigen Claps auf »Passengers and Slaves« erweitern die Stücke um eine dezente, aber wirksame Ebene der Hinhörzuckerln. Einzelne Cuts auf »Red Rain Tires« bleiben zwar wenig hängen, aber darum soll es auf dieser CD auch nicht gehen. Sie hat einen erzählerischen Faktor, der von der Länge des Gesamtwerkes lebt und nicht von einzelnen Hooks oder Riffs. Mit der schönen Rauheit seines Klangs ist dieses Album eine willkommene Abwechslung zu den vielen perfekt und bis ins Detail kontrolliert produzierten DIY-Indie-Releases, die seit der allgemeinen Zugänglichkeit von Aufnahmeprogrammen den Markt fluten. Kein Zweifel, viele davon sind wunderbar! Aber was The Ghost and the Machine auf »Red Rain Tires« liefern, ist greifbare Erdigkeit und ein klar definierter Sound. Und thematisch weht dem Liebhaber übersophistizierter Allerweltsmonologe in Form von Folk-Songs hier ein heftiger Gegenwind ins Gesicht. Die Bilder auf der Platte sind klar und deutlich, es geht um Schmetterlinge und Staub, Narben und die Wracks der Unschuld. All diese Titel und auch die verständlich gehaltenen Songtexte runden inhaltlich, dargeboten durch Lechners kratzige Stimme, die Tumbleweed-Ästhetik von »Red Rain Tires« ab. Wir finden auf dieser CD also ein in sich durchdachtes, bestimmtes und auch konsequentes Werk, das den gängigen Trends der Überproduktionsrichtungslosigkeit in der Diversität eine felsenfeste Bastion gegenüberstellt.