Majmoon

»Ten Years Of Riot And Thinking Of You«

bluNoise/Alive

Majmoon ist eine Band, die ständig in Bewegung ist, egal ob on the road oder zu Hause in München, die Band ist rastlos. Es sind Musiker, denen viel am Austausch mit anderen Musikern und Bands gelegen ist, und die über ihren monatlichen Clubabend mit Durchreisenden aus aller Welt dabei sind, ein Kontaktnetz zu knüpfen, das mit der Zeit wie ein eigenes Koordinatensystem auf der Landkarte liegen sollte. Ein rotierendes System, gleich einem Perpetuum Mobile, welches sich auch als organisatorische Entsprechung für die innere Form dieser Musik selber lesen lassen könnte. Als ich Majmoon das erste Mal live sah, war mein Gedanke: So muss wohl »Free Rock« klingen. Die Band spielte einen energetischen Rock, der mich für zwei bis drei Tage elektrisiert halten sollte. Es war, als wäre ich in eine Messe hineingeplatzt. Obwohl das verzahnte Spiel der Band das Gegenteil von posig war, war es in seinem Ausdruck so wuchtig wie ein Wasserfall. Majmoon schienen auf dem Kriegspfad zu sein, einen kontinuierlichen Angriff auf die Apathie von festgefahrenen Strukturen fahrend. Gleichzeitig handelte es sich um eine äußerst spirituelle Auseinandersetzung, die nach Harmonie strebte. Später erfuhr ich, dass die Gruppe rund um den kroatischen Gitarristen Josip Pavlov schon mehrere interne Kämpfe ausgetragen und Zerwürfnisse überlebt hatte, und nun gerade ihre dritte Phase erprobt. Vor diesem Hintergrund lässt sich der sperrige Titel der vorliegenden CD samt DVD »Ten Years Of Riot And Thinking Of You« ganz introspektiv gedacht womöglich nachvollziehen. Beim Hören der darauf versammelten unveröffentlichten Mitschnitte aus zehn Jahren ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass mich Majmoon an einen Traktor erinnern; an einen stoischen Traktor, der mit seinem Pflug hin und her fährt, um ein Land zu bestellen, auf dem ein minimalistischer Math-Rock/Post-Rock angebaut wird. Ein Ostinato-Geflecht aus wandernden Formeln und Mustern. Den wenig bearbeiteten und ungeschliffenen Charakter der Aufnahmen interpretiere ich als »Work In Progress«-Statement. Das ist ehrlich, kompromisslos und kommt einer Opfergabe gleich. Wer den feineren Klang sucht, der wird in dem von Guido Lucas produzierten Studioalbum »Procedure In A Case Of Breakdown« fündig.