Destinys Child

Survivor

Sony

DIE Glückskindchen des R’n’B. Und trotzdem: Calculation kills creativity. Fein, dass all das Riot Grrrlen, die zornigen Grunge-Zicken, der Popkultur-Feminismus nicht nur Punkfrauen in die Frühpension brachte, sondern so was Ähnliches wie Emanzipation im Mainstream. Die Spice Girls wurden schon als verblödungsfreudige Teletubbies-Version identifiziert. Was aber heute die Wegscheide R’n’B, die Hochkommerzinstanz des Massenbilds von Weiblichkeit, bestimmt, sind längst nicht mehr Mondäntussi-Models Whitney oder Mariah, Silikondoofhäufchen im Kolloraturenduell, sondern sind Ladies, die Identity, Style und Consciousness mit allen Waffen zu erkämpfen wissen. Solo beschränken sich die Perlen auf älter ausgerichtete Kaliber wie Miss Badu. Youngstergirls, die ein bisschen Groovezement zur Selbstfindung wesentlich nötiger haben, wird mit TLC und Destinys die beste Form neuer Girl-Groupismen geboten. Dass DC mit dem Schlachtruf »All The Women Independent« die weltweiten Hitparaden stürmten, dem gar nicht »fraulichen«, gegröhltesten Platz-1-Refrain seit den Stones, ist da willkommenstes Gleichberechtigungswunder. Dass das Quartett aus Dallas mit diesem Weg nach zwei großartigen Platten nach nur vier Jahren in der Öffentlichkeit zur Weltverdienerspitze gehört, ist ebenso fein. Was die Sache madig macht, ist, dass trotz weitgehender Umbesetzungen (zuletzt als Trio) nach dem »Charley?s Angels«-Bullseye in kürzester Zeit ein Longplayer nachgeschossen wird, auf dem unnötigst typisiertes Schlampchenmakeup, ein kotzübles Anbiederungstralala (»Survivor«) und fahl überfordertes MOR-Gesülze die wenigen griffigen Hits (»Independent Women«,»Bootylicious«, »Nasty Girl«) ersäufen. Die Rache des Mainstream an Conscious Quality wie kürzlich beim One-Hit-Wonder Sugababes? Fight Back!