Spaceheads

»A New World in Our Hearts«

Electric Brass Records

»The most rebellious thing you can do is be yourself.« Eine Ode an die Rebellion von ganz klein bis ganz groß ist das Album, auf dem dieses Zitat enthalten ist. Wir sprechen von »A New World in Our Hearts«, dem aktuellen Werk des Trompeten-Schlagzeug-Duos Spaceheads. Im Jahr 2017 erschienen, dient das hundertjährige Jubiläum der Russischen Revolution als thematischer Überbau für dieses Album. Diese konkrete Revolution möchte allerdings keine finstere und blutige sein, sondern möchte zum positiven, friedlichen Widerstand aufrufen: Geschossen wird mit pointierten Drumfills, die Protest-Slogans treten, mit der Ausnahme einiger weniger Textpassagen (»Laugh in the Face of Power«), in Form von eingängigen Trompeten-Licks auf. Obwohl die meisten Tracks auf dieser CD auf einem Grundton aufbauen, der sich in den meisten Fällen rhythmisch unbeeindruckt durch die einzelnen Cuts zieht, bleibt »A New World in Our Hearts« dennoch ein spannendes Hörerlebnis. Trompeter und Loop-Bediener Andy Diagram weiß mit seiner effektgetränkten Trompete die Einschränkungen der harmonischen Einfalt mit zarten Melodiebögen und rauen Soundteppichen zu untertauchen. Am Schlagzeug und an den teilweise selbstgebastelten Perkussionsinstrumenten sitzt Richard Harrison, der mit seinen erdigen, geraden Grooves zum Fluss der Stücke wesentlich beiträgt. Zwischen all den groovenden Protestmärschen gibt es, muss es ja fast, Momente des Stillstandes, der Atmosphäre, des Durchatmens. In diesen glänzt besonders Harrison, der es versteht, mit seinen diversen Percussion-Sounds in ruhigen Momenten besonders schöne Bilder zu malen.

Insgesamt ein sehr stimmiges, pulsierendes, tanzbares Werk. Die Platte motiviert und euphorisiert, denn das seit den frühen 1990ern zusammenspielende Zwei-Mann-Orchester versteht mit wenigen, aber innovativ eingesetzten Mitteln, einen wunderschön klingenden Aufruf zum friedlichen Aufstand zu fabrizieren. Der fanfarenartige Opener »The Revolution Sashays up the Mall« nimmt das schon vorweg und steigert die Vorfreude auf den Rest der Platte, und das sogar ohne darauffolgende Enttäuschung! Oft machen es derart epische Opener den darauffolgenden Titeln wirklich schwer, mitzuhalten, auf »A New World in Our Hearts« gelingt das jedoch problemlos. Beispielweise sticht die nun auch so titulierte »Fanfare for the Exiles« mit einem vergleichsweise sehr üppigen Arrangement heraus: Man glaubt es mit E-Gitarren und Keyboards zu tun zu haben, es sind aber nach wie vor nur Andy Diagram und Richard Harrison, die sich dann im darauffolgenden »To the Children of a Wiser Day« auch als Soundscaping-Meister präsentieren. Das Album eckt also nicht unbedingt an, denn es wirkt rund und in sich geschlossen, dafür aber bestimmt und zielgerichtet. Eigenschaften, die man sich von mehr Releases in der heutigen Zeit wünschen würde. Andererseits ist es auch wirklich schwierig, ohne oder mit sehr wenig Text ein derart hochpolitisches Album zu machen, weshalb »A New World in Our Hearts« jedes Lob auch wirklich verdient. An dieser Stelle sei noch empfohlen, das Album nicht zuhause im gemütlichen Lehnsessel zu hören, sondern unterwegs auf einem Spaziergang durch öde Peripherie, überlaufene Straßen oder nächtliche, verlassene Gassen; denn nur in Bewegung und bei der Beobachtung des alltäglichen Wahnsinns im Großen und Kleinen kommt die volle Ausdruckskraft dieses Werkes zur Geltung (findet zumindest Ihr Rezensent).