»Color Out of Space« © RLJE Films / slash Filmfestival

Space out of color

Das slash überrascht sein Publikum mit der Österreich-Premiere von Richard Stanleys »Color Out of Space«. Entgegen den hohen Erwartungen bleibt die Lovecraft-Verfilmung jedoch eine farblose Angelegenheit. Ein slash-Review.

Was wäre das slash Filmfestival ohne Surprise Movie? Wie jedes Jahr herrschte im Vorfeld Rätselraten, welches Kleinod das Festivalteam dem genreversierten Publikum kredenzen würde, und wie jedes Jahr wurde das Geheimnis bis zuletzt nicht gelüftet. In seiner Anmoderation gibt Festivalleiter Markus Keuschnigg preis, dass der Film Mitte September beim Toronto International Filmfestival Weltpremiere gefeiert habe – Insider brechen an dieser Stelle in Jubeln aus. Das Zittern, ob der Film in Wien gezeigt werden dürfe, habe bis zuletzt angehalten, so Keuschnigg. Tatsächlich wäre das Okay erst zum Start des Festivals erteilt worden und die Filmkopie sei erst am Vortag des Screenings eingetroffen. Und so ist das slash-Publikum das dritte weltweit, dass Richard Stanleys Lovecraft-Verfilmung »Color Out of Space« zu sehen bekommt. Film ab.

Nathan Gardner (Nicolas Cage), seine Frau Theresa (Joely Richardson) und die drei gemeinsamen Kinder leben in einem abgeschiedenen Haus auf dem Land, wo Theresa sich von ihrer Krebserkrankung erholt und Nathan Alpakas züchtet. Tochter Lavinia (Madeleine Arthur) versucht mit Hexenritualen dem Alltag zu entkommen, Sohn Benny (Brendan Meyer) lenkt sich mit Videospielen und Kiffen ab und Junior Jack (Julian Hilliard) sucht nach Sternen auf dem Grund des hauseigenen Brunnens. In diese ländliche Idylle kracht eines Nachts ein pink leuchtender Meteorit und bald wird deutlich, dass das nicht nur auf die hiesige Vegetation Auswirkungen hat, sondern auch auf die Tiere … und Menschen.

»Color Out of Space« © RLJE Films / slash Filmfestival

Der Film basiert auf der Kurzgeschichte »The Color Out of Space« von H. P. Lovecraft aus dem Jahr 1927 und legt damit von vorn herein die Latte hoch: Die dunklen Fantasien des Meisters adäquat in Szene zu setzen, ist nämlich seit jeher eine Gratwanderung, an der leider auch Stanley weitgehend scheitert. Dem Titel zum Trotz wirken seine Charaktere farblos und eindimensional, ihre Umrisse so vage gezeichnet, dass ihre Veränderung im Laufe des Films kaum merkbar ist. Insbesondere Cage, dessen notorisches, Meme-erprobtes Overacting zuletzt in »Mandy« (2018) perfekt zu tragen kam, wirkt hier wie ein Fremdkörper, seine slapstickhaft überzeichnete Improvisation unfreiwillig komisch und deplatziert.

Zwar gelingt es dem Film gut, die Geschichte in die Jetztzeit zu transferieren, doch das Skript erscheint im Detail altbacken, die Erzählung ist langatmig und die Schockmomente sind allesamt vorhersehbar. Auch in puncto Special Effects wird nichts geboten, was man nicht in »Annihilation« (2018) schon besser zu sehen bekommen hätte (und da nur bedingt gut). Insgesamt ist »Color Out of Space« zu artsy, um als B-Movie-Reminiszenz durchzugehen, aber zu »billig« für Arthouse und bleibt unbestimmt in der Mitte hängen … Wäre da nicht der atmosphärische Score von Collin Stetson, dessen düstere Sounds den richtigen (Farb)ton treffen, hätte dieses Surprise Movie keine Überraschungen zu bieten.

Link: https://slashfilmfestival.com/en/films-2019/surprise-movie/