Inke Arns

»Sounds like Silence«

Gruenrekorder

Das Gruenrekorder-Label, schön langsam wächst es mir ans Herz mit seinem radikalen Faible für field recordings. Unvergessen die CD, auf der man verschiedenen Schweizer Bergbahnen zuhören konnte. Unpackbar irgendwie, andererseits auch ganz schön kultig. Aber wie sagte John Cage einst: »Sie müssen es nicht für Musik halten, wenn dieser Ausdruck sie schockiert.« Und damit sind wir auch gleich beim Thema. »Sounds like Silence« präsentiert eigentlich ein Radiofeature, das anlässlich des 100. Geburtstags von Cage und des 60. Jahrestages der Aufführung seines legendären Stückes 4’33“ ausgestrahlt wurde. 4’33“ ist eigentlich als Aufführungsskandal in die Musikhistorie eingegangen. Damals trat Pianist David Tudor vor versammelten Publikum ans Klavier, wartete 4’33“, klappte zweimal den Klavierdeckel auf und zu (für die einzelnen Sätze) und ging dann wieder. Was das Publikum damals vor allem hörte, war die eigene Erwartungshaltung – und die war offenbar unerträglich. Aber Cage wäre nicht ein derart begnadet gelassener Provokateur gewesen, wenn es ihm nur um den Skandal gegangen würde. Cage wollte tatsächlich die Stille zu Aufführung bringen. Weswegen er auch eine elektronische Version erzeugte, in dem er sich einfach mit dem Mikrofon in New York aufstellte (an zufälligen Orten) und die Stille, die natürlich keine Stille war, aufnahm. Unglaubliches, grandioses Detail daran: der ihn begleitende Nam June Paik schnappte sich nach einer Minute das Mikro und interviewte damit Passanten. Ein Lehrstück in Sachen Ursprünge, die nie das waren, was man sich meist von ihnen verspricht. Reine, unverfälschte Momente … jedenfalls, um genau dieses Einfangen der Stille geht es in »Sounds like Silence«, wofür Inke Arns und Dieter Daniels großartige Beispiele aus der Musik- und Radiogeschichte zusammengetragen haben. Das ergibt ganz nebenbei auch einen schrägen, aber umso erkenntnisreicheren Einstieg in ein ganzheitliches (ergo radikales) Musikverständnis (natürlich ist Stille die vollkommene Musik, natürlich istHarmonie Lärm und Lärm eigentlich Harmonie …). Und darum kann diese CD nur uneingeschränkt empfohlen werden, auch wenn es in formaler Hinsicht eben bloß ein Radio-Feature ist.

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