Ursula Bogner

»Sonne = Black Box«

Faitiche

Die spannende Frage ist natürlich: Existierte Ursula Bogner wirklich oder ist sie nur ein Fake von ein paar Kölner Musikstudenten (oder eben doch ihrem »Entdecker« Jan Jelinek selbst), die damit den ultimativen PRSchachzug ausgetüftelt haben, um eine Musik zu promoten, die sonst ?? ja, was sonst? Wäre diese Musik sonst bedeutungslos? Es sind Stimm- und Tonbandexperimente, datiert auf die Jahre 1972 bis 1985, die man mit viel guten Willen zwischen musique concrete und englischem Wavepop (warum eigentlich nicht Neue Deutsche Welle?) ansiedeln könnte. Dementsprechend out of time klingt auch diese nachgereichte, zweite Lieferung aus Ursula Bogners Schaffen. Und die wiederum soll ja eine kreuzbrave Hausfrau gewesen sein, die sich nur hobbymä&szligig für Musik interessiert habe. Und die all diese Aufnahmen in ihrem Heimstudio angefertigt und dann unveröffentlicht verschimmeln hat lassen. Als absurd witziger Nachtrag zur Musikgeschichte, beigetragen von einer enthusiastischen und zweifelsohne begabten Hobbykünstlerin wären diese Aufnahmen sicher sensationell. Und warum sollte es nicht solche musikalischen Singularitäten geben? Die Welt ist voller Wunder, oder? Den Musikhistoriker plagen indessen Zweifel. Warum klingen selbst Aufnahmen aus dem Jahr 1972 so, als hätte sie nie auch nur ein Fünkchen Rauschen berührt? Warum rechtfertigt sich Jan Jelinek seitenlang mit Theorien zum Begriff des Fakes in der Musikgeschichte? Der einfache Hörer sei auf den guten alten Duke Ellington vertröstet. »Wenn eine Musik gut klingt, dann ist sie auch gut.« Klar haben die Puristen an dieser Aussage endlos lange herumgenörgelt. Ich für meinen Teil glaube nict an Musik, ich höre sie nur. Liebe Ursula Bogner, danke für diese CD, wer oder was auch immer du bist.