Sonar 2001 - Das bittere Ende

Abschied fällt meist schwer, so auch vom Sonar und der spanischen Sonne.

Gestern, Sonntag, war das Pressezentrum des Sonar geschlossen, somit erst hier und jetzt, da ich wieder in Wien weile, der letzte Bericht.
Von den vorangegangenen bin ich gerade ein bisschen schockiert, man mag meine Ergüsse verzeihen, aber so mitten unter einer Party kann das mühsam sein – und außerdem gab’s keine Umlaute auf der spanischen Tastatur…

Nun denn, was war so los?
Noch mehr Besucher als an den vorangegangen Tagen (in Summe waren es knapp 60.000 während des gesamten Festivals) und noch mehr Sonne, sprich notgedrungen auch mehr Bier.

Musikalisch wurde der Tag interessant mit Rune Kristoffersen, der Platten seines Labels »Rune Grammofon« spielte. Der Beginn war sehr noisig, der Rest etwas dezenter – ambientöse Soundscapes und gebrochene, aber verhaltene Beats entführten in andere Dimensionen.

Anschließend verlegte eine der Legenden schlechthin Platten, Mister John Peel hat den Boden Barcelonas geweiht – oder auch entweiht,, ist Ansichtssache. Denn in den rund 15 Minuten, die ich mir antat, gab es nur Coverversionen diverser Popklassiker unterlegt mit sehr dumpfbackigen Technobeats zu hören. Frage mich niemand, was da kaputt war, aber es war Peel, ich hab mich extra noch mal zur Bühne gekämpft, um das mit eigenen Augen sehen zu können.

Auf eben jener Bühne, dem Sonar Lab, waren anschließend Laub und Rechenzentrum vom Berliner Label »Kitty yo« zu hören und angeblich auch sehr hörenswert, während ich Banause mir ein Bier und, die Arbeit rief auch, die Pressekonferenz der Festivalorganisation zuführte.

Deutschland war überhaupt stark vertreten, die Sonar Village, wo die Hauptbühne und viele Tausend Leute zu finden waren, wurde am Nachmittag von »Compost« Artists beschallt. Fauna Flash, Beanfield, Rainer Trüby und Jazzanova sorgten für flockige Beats und relaxte Grooves, waren gut besucht, laut und sicher sehr nett, aber wie schon gesagt, zu viel parallel und dann auch noch Bier trinken müssen…
Besonders im Anschluss waren die Überschneidungen wieder mal sehr ärgerlich, denn in der Sonar Village war Dj Vadim & The Russian Percussion mit einem Live-Set zu hören, während gleichzeitig die im Keller des CCCB gelegene Hall von Techno Animal gerockt wurde. Ungewohnt leise (was bei Techno Animal ohnehin sehr relativ ist) und manchmal ein wenig zahm (was genau so relativ zu sehen ist), aber natürlich wieder mal großartig. Spielten sie vor einigen Monaten in Wien das Flex fast leer, so war das Publikum in Barcelona hartnäckiger, es war kaum Platz zum Tanzen.

Was es dann für mich auch schon fast war, denn zu Matmos und People Like Us, die in der Kirche (Sonar Macba) spielten, war wieder mal kein reinkommen, schade.
Dafür noch ein bisschen shaken zu Einem gewissen Mo und seinem Partner El Puma, einem Berliner Duo, das »Elektro Music Department« Platten verlegte und sehr Spaß machte: Von Elektropop bis House, die Masse war vom Tanzbeinschwingen nicht abzuhalten.

Das Nachtprogramm viel aus meiner Sicht sich selbst zum Opfer, zu viel Techno und sonst nix. Kollege Deisl berichtete, dass es erwartungsgemäß sehr böllerte, Höhepunkt soll, was Wunder, Richie Hawtin gewesen sein.

That’s it, einen vernünftigen Bericht, ohne rauschiges Geschwafel, dafür mit Hintergrundinformationen zum Festival, gibt’s im nächsten skug (Vol. 47).