Kim Brown

»Somewhere Else It's Going To Be Good«

Just Another Beat

Die Müncher Rapper von Blumentopf waren vor ein paar Jahren der Meinung, dass auch die leisen Töne für die hübschesten Melodien verantwortlich sein können. Für das Albumdebüt der beiden Berliner Julian Brown und Ji-Hun Kim, die im Duo Kim Brown ergeben, könnte dieser Spruch kaum passender sein. Zehn charmante, unaufgeregte Housetracks ist ihr Album, betitelt mit der eskapistischen Verheißung »Somewhere Else It’s Going To Be Good«, gerade mal lang, aber es ist eine Erfahrung, die einen verändert zurücklässt. Auf den Lippen liegt ein Bekenntnis für das arg strapazierte Attribut »deep«, das in den vergangenen Jahren vor allem die Langeweile von uninspirierten Housetracks kaschieren sollte. Aber hier ist’s doch anders. Kim Brown peitschen uns nicht durch ihre Tracks und wollen auch keine Gipfel erstürmen. Es gibt keine aufdringlichen Ausraster und auch keine stolze Brust. Dafür sind klassische, überzeugte Eleganz im Pianoloop, viele kleine Höhepunkte und bezaubernde Details zu entdecken. Reduktion möchte hier der Topos sein, den es auszureizen gilt: Eine wie zufällig reingeschubste Hihat, wohlige Wärme transportierende Bassspuren, die alles erfüllenden Streicher. Es ist nicht immer viel, was passiert, aber in seiner Bescheidenheit huldigt das Album einer großen Melancholie in Moll. In der Grundstimmung geben sich die Tracks weniger heiter denn mellow (»I House You But I’ve Chosen Love«) und düster (»Christabel«), aber sie lassen den Vorhang am Fenster stets einen Spalt für den Lichtblick offen. Draußen lässt sich erkennen, wie’s in der Novembersonne vorangeht: Der Modus lautet Gleitflug über weite Flächen. Und hinterher fühlt’s sich besser an als vorher.