Simon Grab

»Posthuman Species«

-ous

Das Schweizer Label -ous (Jan Nemecek, Feldermelder, SPIME.IM) ist nun auch Heimat von Simon Grab. Der wirft mit »Posthuman Species« eine Platte in die Welt, die sich damit auseinandersetzt, wie denn die Welt nach der Welt der jetzigen Menschen aussieht. »Posthuman« lässt den traditionellen Begriff des Menschen hinter sich und untersucht andere Konzepte. Dem elektroakustischen, dubbigen Sound zufolge hat man sich da Wesen vorzustellen, die mit uns nur mehr wenig gemein haben. Menschenähnliche Roboter, mit einem Körper aus ultraleichtem Nano-Metall, gekleidet in hypermoderne Kevlar-Shirts, mit Boots aus Super-Kunststoff sowie einem Elektronengehirn aus der Zukunft und bloß das Herz ist noch das des Menschen, wie wir es sind und es kennen. Auf Knopfdruck setzt Grab die Simulation eines Dopamin-Schubs in Gang und tanzt zu mechanischen Beats, ohrenbetäubendem, noch gerade so als »Tanzmusik« durchgehendem Noise-Sound, für ein Berghain aus Kristall irgendwo 6.000 Meter unter der Erde. »The New Kind«, »Apocalyptic Paranoia«, »Biomechanoids« etc. sind kurze Stücke, die mit verschiedensten Ideen und Techniken elektronischer Musikerzeugung diese Welt erschaffen bzw. abbilden, von Summen bis Wummern im unteren Frequenzbereich – Dub-Techno ist das – bis zum Piepen und Fiepen, das die Verarbeitung der Elektro-Transmitter und Computer in den neuen Wesen abbildet. Wie auf »Neurotransmitters«, das noch Reste von einem menschlichen Rave erahnen lässt, aber der eher von besagten Ma- bzw. Menschinen interpretiert, straighte Beats und quietschigen Überbau liefert. »Transformation« klingt tatsächlich wie die Transformation einer riesigen Maschine, die Grab hier in einem Gerüst aus harsch klingendem Sound verarbeitet, doch zum Ende des Stückes mag man fast die Geräusche von Natur, Kröten etc. vernehmen. Das hält nicht lange. Auf »New Horizons« ist das schon anders. Klingt aquatisch und auch etwas heller als die vorigen Stücke. Der bassige, heftige Einschlag geht ein Stück zurück, »Altered Sleep« ist gar entspannend und erlaubt freundliche Melodien. »Posthuman Wonderland«, das letzte der 13 Stücke, versammelt in gut 15 Minuten diese verschiedenen Stimmungen und schließt nach einem energetischen Höhepunkt ab. »Posthuman Species« überzeugt nicht immer mit unvergesslichen Melodien oder Eindrücken, nicht immer entstehen eindrucksvolle Bilder. Jedoch herrscht eine Grundstimmung, die durch die interessante Soundarbeit Grabs entsteht, zur Abwechslung im Genre mal nicht dystopisch, sondern eher nüchtern-distanziert.