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Sibylle Kefer

»hoid«

Medienmanufaktur Wien

Es ist ein kluger Schachzug, ein Album mit einem Dialektwort zu betiteln, das mannigfaltige Bedeutungen annehmen kann. Das erinnert an die einzigartigen Attwenger, die ihre Alben seit jeher mit Titeln mit Mehrfachbedeutungen aufgeladen haben. Programmatisch ist für »hoid« von Sibylle Kefer schon der erste Song »Innere Werte« (»Geh schleich di mit innere Werte)«, der der Fantasie einen weiten Raum öffnet. Verwiesen wird dabei aber eher auf die Mehrfachbelastung einer Mutter, die sich im immer noch stark männlich dominierten Musikbusiness behaupten muss. Dazu kommt, dass Kefer in diversen anderen Formationen engagiert ist, die bekannteste Band ist wahrscheinlich Ernst Molden und das Frauenorchester. »hoid« ist bereits das sechste Soloalbum der Musikerin mit Vergangenheit z. B. bei den Ausseer Hardbradlern, die ihr Geld u. a. als Musiktherapeutin reinschaufelt. Ich gebe zu, dass ich mit »hoid« anfänglich ein wenig gefremdelt habe, teilweise gar spröde ist manches bei mir angekommen. Mit jedem Durchlauf des stylish gestalteten Doppelvinyls sind die Bedenken aber mehr und mehr verschwunden (ein sogenannter »Grower«) und es hat sich eine angenehme Vertrautheit beim immer öfter Hören von »hoid« eingestellt. Manche Platten brauchen hoid mehr Zeit, um danach umso nachhaltiger zu wirken. Kefer singt mit ihrer wandlungsfähigen, grandiosen Stimme berührend zu diversen Sounds, sogar regelrecht kammermusikalische Sequenzen kommen vor, und das nicht zu knapp. Kontrastiert wird der Chambersound von zumindest beinahe Clubsounds, was »hoid« eine irgendwie pikante Note verleiht. Um so ein phettes Unternehmen wie ein Doppelalbum zu stemmen, bedarf es natürlich externer Kräfte. In diesem Fall sind die besten gerade gut genug. Da wäre Slide-Gitarrengott Gottfried Gfrerer, Alleskönner Martin Siewert, Spurenelemente Beschwerdechor, Marlene Lacherstorfer und noch einige mehr. Mein Favorit von den vier schwarzen Scheiben ist übrigens Seite 4, auch wenn diese recht kurz geraten ist. »hoid« ist ein bemerkenswertes und intelligentes Statement im Bereich zwischen Wienerlied und Elektronik. Einfach GROSSE KLASSE!

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