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Was fällt einem ein, wenn man an Irland denkt? Wunderschönes Land (ABER: Kleine grüne, Guinness-schlürfende Kobolde wurden in Irland noch nicht gesehen und sind daher ein hartnäckiges Gerücht, welches wohl vom irischen Fremdenverkehrsbüro in die Welt gesetzt wurde). Freundliche, teils melancholische Menschen, hervorragende Literatur von Yeats, Joyce über Wilde bis hin zu Flann O’Brien; und natürlich Musik. Neben den Popgöttern U2, The Cranberries und den Corrs hält sich eine Dame seit einem Jahrzehnt an der Spitze: Sinéad O’Connor. Lange hat man nichts von ihr gehört, bis sie vor ein paar Wochen mit ihrem Abschied aus der Musikbranche aufhorchen ließ. Nun, zwecks ihres »Farewells«schenkt sie uns noch eine Doppel-CD mit einem unglaublich langen Namen, den ich hier auf die ersten zwei Wörter komprimiere: »She Who Dwells …«. Die Geschichte des Albums ist schnell erzählt. Die erste CD ist ein experimentelles Werk, ruhige, fast esoterische Klänge, sehr vielschichtig, ich bin überzeugt, Björk-Fans hätten ihre reinste Freude. Gewagte Cover-Versionen von Nazareth und ABBA sind auch darauf zu finden. Auch die Asian Dub Foundation gibt ihr Tribute (zieht dementsprechend die FM4-Klientel an) und möchte O’Connor in ihre wohlverdiente Pension schicken. Nur gegen Ende der CD blitzt das Genie auf und mit ihrer Hommage an einen in den Drogenabgrund gefallenen Freund nimmt sie wieder die alte Form auf. Ansonsten vermisst man das gewisse Etwas. Die erste CD ist, so denke ich, nur für die Hardcore-Fans ansprechend. Die zweite Disc ist dagegen die reinste Freude, die Alben unterscheiden sich wie Tag und Nacht, wie Ying und Yang. Es ist eine Live-CD, es kommt ein Unplugged-Gefühl auf. Hier zeigt Sinéad ihr musikalisches Können. Persönliche Geschichten werden erzählt, Sagen und Gedichte werden melodiös verpackt, es wird irisch geträllert, ihr Welthit, »Nothing compares 2 U«darf natürlich auch nicht fehlen und rundet das Live-Album zu einem schönen Best-of ab. Slainté!

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Text
Kain Elefterios

Veröffentlichung
29.09.2003

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