Shalabi Effect

»Friends Of The Prophet 6«

Unrock

Was überrascht, ist, dass die Veröffentlichungen von Unrock zwar Exportschlager sind, zwischen Flensburg und Klagenfurt aber eher regelmäßig übersehen werden. Sehr zu Unrecht. Bleibt also nur, mit Nachdruck auf die sehr gelungenen Veröffentlichungen hinzuweisen und neben »Trippin’ On Coleman« von Sunn Trio und Sam Shalabi noch eine zweite in den Ring zu werfen! Und die ist wirklich gewöhnungsbedürftig bzw. wesentlich abgedrehter, spart sie doch gleich zum Auftakt nicht mit sperrigen Synthesizer-Eskapaden und einer bizarr vertonten Erzählung. Adjektive wie »eigensinnig« oder »verquer« sind zur Beschreibung der Musik noch untertrieben für diese exzentrisch-exotische Electronica, die auf die Spitze getrieben (»Det. Nussbaum’s Worst Case«) klingt, als hätte man Lydia Lunch mit den frühen Pere Ubu zu Haschisch nach Marseille eingeladen. Jetzt könnte man meinen, das sei negativ zu bewerten – weit gefehlt! »Friends Of The Prophet 6« ist sicherlich über weite Strecken wirklich seltsam und sperrig, jedoch auf eigentümliche Weise faszinierend. Im direkten Vergleich ist »Trippin’ On Coleman« ein weltmusikalischer Spaziergang, da ist relativ schnell klar, wohin die Reise geht (in den nahen und eher ferneren Osten). »Friends Of The Prophet 6« ist deutlich weiter draußen bzw. überall zugleich – die Musik entzieht sich der einfachen lokalen oder kategorialen Zuordnungen, entspricht vielmehr einem wimmelnden stilistischen Durcheinander. Das muss man aushalten können bzw. wer wagt, gewinnt außerordentlich abenteuerliche akustische Eindrücke – aber Easy Listening ist was anderes … Insgesamt bleibt es spannend mit Blick auf Veröffentlichungen aus dem Haus Unrock – auch lohnt es sich, ein Auge auf den Katalog des Labels zu werfen, da gibt es viel zu entdecken und dieses Jahr kommt auch noch mehr.