Shake Stew

»Rise And Rise Again«

Traumton Records

Rasant. So könnte man sowohl das Arbeitstempo als auch das spielerische Temperament der Formation Shake Stew am besten beschreiben. Auf die Bandpremiere am Jazzfestival Saalfelden 2016 folgte 2017 das Debütalbum »The Golden Fang« und eine Reihe von ausverkauften Konzerten als Stageband im Porgy & Bess. Nun erscheint am 27. April 2018 die zweite CD mit dem Titel »Rise And Rise Again«. Die enthaltenen sechs Kompositionen, allesamt aus der Feder des Bassisten Lukas Kranzelbinder, sind der außergewöhnlichen Besetzung der Band wie auf den Leib geschneidert. Mit zwei Drummern, zwei Bassisten, zwei Saxophonisten und Kanzelbinders Bandkollegen von Interzone, Mario Rom, an der Trompete sind hier viele Köche vorhanden, die potenziell die Suppe ordentlich versalzen könnten. Heraus kommt dabei jedoch eine vielschichtige Gewürzmischung, deren diverse Zutaten zwar alle deutlich erkennbar sind, aber dennoch zu einem mundenden Ganzen verschmelzen. Selten haben zwei Schlagzeuger so einfühlsam und Song-fördernd zusammengespielt wie es Niki Dolp und Mathias Koch tun. Sie sind es, die das Album mit einem Duo-Groove eröffnen, zu dem sich zunächst ein E-Bass-Riff, dann Roms Trompete und die Saxophone gesellen. Ein erhebender Auftakt zu einer CD, die vor Energie und Spielfreude aus allen Nähten platzt! Auf dem zweiten und fünften Track stößt der britische Saxophonist Shabaka Hutchings, der soeben mit seiner Band Sons of Kemet ein geistesverwandtes Album veröffentlicht hat, zur Band und treibt den Kraftwerkscharakter dieser Formation auf den absoluten Höhepunkt. Ganz allgemein ist es auf »Rise And Rise Again« der Sound der beiden (beizeiten drei) Saxophonisten beim Zusammenspiel, der zum absoluten »Hinhörer« wird.

Das bereits erwähnte fünfte Stück mit dem Titel »Get Up Eight« ist mit seiner eingängigen Melodie und dem sich langsam steigernden Hutchings-Solo einer der absoluten Höhepunkte dieser Platte. Die beiden Bassisten, Lukas Kranzelbinder und der äußerst umtriebige Manu Mayr, legen zusammen mit den beiden Drummern einen rhythmisch feinstens gewebten Teppich hin, über den Hutchings sein Solo ausbreitet. Unterstützt wird er außerdem noch durch die drei Bläser der Band, die sich zu einem begleitenden Akkordinstrument zusammentun. Neben all den Groove-Epen, die sich im Laufe des Albums abspielen, fehlt es auf der anderen Seite aber auch nicht an melodiösen, langsamen Momenten, insbesondere der Album-Closer »No Sleep My King?« sticht in dieser Hinsicht hervor. Das Stück wird von einem sich stetig wiederholenden E-Bass-Riff getragen, über das sich abwechselnd das Bläser-Thema und Soli legen. Ebenso erhebend wie das Album beginnt, endet es auch wieder und durch die kurzweiligen sechs Tracks ist man verleitet, gleich nochmal von vorne zu beginnen. Denn auf diesem an zwei Nachmittagen eingespielten Album gibt es mit jedem Mal Hören etwas Neues zu entdecken: In der Produktion wurde auf Soundeffekte und jede Art von zusätzlichen Einspielungen weitgehend verzichtet. Es ist das ausgeklügelte Zusammenspiel der Gruppe, das, nicht zuletzt dank der üppigen Besetzung, viele Stunden absoluten Hörgenusses verspricht. Vertrackte Basslines treffen auf flächige Bläser-Arrangements, zusammengehalten durch die beiden Drummer, die wie einer fungieren.

»Rise And Rise Again« ist eine CD, die unter den »schwierigen zweiten Alben«, an denen so manche jungen Formationen bereits gescheitert sind, ein auffallend strukturiertes Werk ist. Nicht zuletzt natürlich deshalb, weil Shake Stew ohne weiteres als All-Star-Ensemble bezeichnet werden könnte, dessen Musiker allesamt bereits in anderen Formationen die Bühnen und Studios Österreichs und der Welt bespielten. Ein Quasi-Gipfeltreffen, das auch dementsprechend klingt und auf baldige weitere Werke hoffen lässt. Nach den Konzerten in u. a. Berlin, Winnipeg, Ottawa, Vancouver und Toronto, versteht sich.

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