St. Vincent

»s/t«

Caroline

»Oh, what an ordinary day, take out the garbage, masturbate« (»Birth In Reverse«). Zum Masturbieren wird Annie Erin Clark aka St. Vincent in letzter Zeit wohl nicht täglich gekommen sein, liefert sie doch mit ihrem vierten Album ein sehr aufwändiges Werk ab, das garantiert viel Zeit und Energie beanspruchte. Der Satisfaction-Verzicht scheint sich hierfür aber wirklich gelohnt zu haben: im Moment ist St. Vincent der große Renner der Indie-Rock- Positur. Und nicht nur dort, nein, die gesamte Pop-Rezeption feiert das Album frenetisch ab. Kein Wunder, klingt Clark, einst Mitglied von The Polyphonic Spree und Teil der Tourtruppe von Sufjan Stevens, doch nicht nur im Eröffnungssong »Rattlesnake« wie eine ausgeschlafene Björk. Wird man hin und wieder an schnittige Beats in der Tradition von Talking Heads erinnert, liegt man gewiss auch nicht falsch. Mit deren ehemaligem Mastermind, David Byrne, kollaborierte St. Vincent zuletzt beim Album »Love This Giant« (2012). Nicht unwesentlich für die effizienten Arrangements dürfte die Mitbeteiligung von Art-Director Willo Perron sein. In den Uptempo-Songs werden unwiderstehliche, zickige Dancegrooves verwendet, wie man sie einst von der britischen Band XTC kannte. Zudem werden die Songs auch mit an Punk-Ästhetik gemahnenden Sounds unterlegt – »Huey Newton« arbeitet z. B. mit einem dirty Bluesrock-Groove à la PJ Harvey. Und in St. Vincents Stimme schwingt sowieso das »American Songbook« oft hintergründig mit. Wenn das nicht Garanten für einen durchschlagenden Erfolg sind, was dann. Mit Sicherheit ein Major- Pop-Album des Jahres.