Nancy Sinatra

»s/t«

Sanctuary/BMG

Keine ungefährliche Sache, wenn eine Ikone wie Nancy Sinatra den Sprung in die nächste Generation wagt, doch das Ergebnis kann sich hören lassen. Die Patina, die das Mädchen mit den Stiefeln angesetzt hat, die Legende, die in jedem gesungenen Ton mitschwingt, verströmen einen bezwingenden Charme: eine feine Mischung aus Reife und Frische, klingt ein bisschen wie Johnny Cash auf seinen letzten Platten. Die Initiative zu diesem Album ging von ihren Töchtern aus. AJ, selbst Musikerin und hier Produzentin, und Amanda, die für Coverdesign verantwortlich zeichnet, brachten ihre Mutter mit jüngeren Musikern zusammen, deren illustre Schar ein kleines Namedropping förmlich erzwingt: Songs und Instrumentarium stammen von Größen wie Joey Burns von Calexico, Jon Spencer, Jarvis Cocker, Morissey, Bono und Thurston Moore. Spätestens jetzt sollte das Interesse der PopmusikkonsumentInnen geweckt sein, und tatsächlich finden sich ein paar Perlen in der CD-Hülle: »Let Me Kiss You«, das vor Herzenspathos nur so berstende Duett mit Morissey, »Don’t Let Him Waste Your Time« und »Baby’s Coming Back To Me« aus der Feder des Pulp-Sängers, und »Burnin Down The Spark« mit dem Herrn aus Arizona gehören sicher zu den Höhepunkten, ein wenig hölzern hingegen der bemühte Sonic Youth-Sound von »Momma’s Boy« und oder der Gute-Laune-Bluesrock von Spencers »Ain’t No Easy Way«. Alles in allem ein nicht unbedingt homogenes aber doch gelungenes Album, zu dem sich gut Tee trinken lässt, auch mit Rum.