Requiem und No Name City

Hans-Christian Schmid ("23", "Crazy") hat mit "Requiem" ein Drama über eine psychisch labile Studentin aus katholisch-ländlichem Milieu gedreht. Mit "No Name City" hat sich der österreichische Regisseur Florian Flicker ("Suzie Washington", "Der Überfall") erstmals als Dokumentarfilmer betätigt.

Die Geschichte von Requiem wurde inspiriert von einem wahren Fall von Exorzismus, der sich in den 70er-Jahren abspielte. Endlich hat Michaela (Sandra Hüller) es geschafft: Sie hat einen Studienplatz in Tübingen. Die 21-Jährige will Lehrerin werden, trotz des Widerstandes und der Sorge ihrer Eltern. Denn Michaela leidet an Epilepsie – ein vor Dorfnachbarn und Schulkolleginnen gut gehütetes Geheimnis. Schließlich besorgt ihr der Vater (Burghart Klaußner) doch ein Zimmer im Studentenheim. Michaela findet sich schnell auf der Uni zurecht, lernt neue Freunde kennen, studiert fleißig und genießt ihre Freizeit auf Parties und Ausflügen. Als sie plötzlich von massiven psychischen Problemen heimgesucht wird, rät ihre Freundin Hanna (Anna Blomeier) dringend medizinische Hilfe aufzusuchen. Doch die aus einem tiefreligiösen Elternhaus stammende Michaela sucht zunächst einmal Rat bei der Kirche. Der alte Pfarrer Landauer (Walter Schmidinger) ist überfordert, doch der junge Priester Martin Borchert (Jens Harzer), ein "Experte in solchen Fragen" ist in seinem Element; er konstatiert Besessenheit.

Stolpern, Verirren

Wie etwa schon in "23" zeigt Schmid einen jungen Menschen, der auf dem Weg zum Erwachsenwerden in eine Extremsituation gerät, aus der auf Grund mangelhafter Hilfe kein Ausweg zu finden ist. Schmid zeichnet ein einfühlsames Portrait einer jungen Frau, die zwischen den Ansprüchen von Tradition, Religion, Eltern, Lebenslust, Ausbildung und Freunden zerbricht. Realitätsnah zeigt "Requiem" ein stimmiges Bild eines Milieus, ohne in Voyeurismus zu verfallen. Der Film bietet Respekt gegenüber den Protagonisten, wie fehlerhaft, kleinlich oder beschränkt sie auch handeln. Neben hervorragenden Darstellern und Kameraarbeit trägt vor allem die Ausstattung (Szenenbild: Christian M. Goldbeck) zur Athmosphäre bei. Raufasertapeten, Bettzeugmuster, Sperrholzmöbel bieten einen alltäglichen Rahmen in dem sich umso verstörender eine Tragödie entwickelt.

"No Name City" Wild West bei Wöllersdorf – ein Blick hinter die Kulissen

Einen Monat lang lebte Florian Flicker im Hotel der "No Name City" und filmte im Erlebnispark südlich von Wien: Leute, die dort arbeiten während ihres Jobs und nach Feierabend, das Duo Waterloo und Robinson als fahrende Musikanten und sich selbst als Greenhorn. Befand sich Flicker schon als Dokumentarist auf unbekannten Boden, so war auch noch die Situation in der Western Town eine gespannte. Die Western-Romantik war getrübt durch einen Konflikt zwischen dem Verwalter und den Angestellten. Als Vermittler will sich schließlich Winnetou in Form seines alter egos Waterloo einschalten. Ein Dokument über Durchhalten, Resignation, Drüberstehen, Lächerlichkeit.

Kinostart: 21.4.2006