Répéter

Blue Perfidia

Tropiques Dangereux

Mit »Blue Perfidia« veröffentlicht Répéter alias Martin Werner sein drittes Album, das diesmal auf dem etwas geheimnisvollen Label Tropiques Dangereux erscheint. Auch wenn seine öffentlichen Auftritte mittlerweile rar geworden sind, bleibt er doch eine Konstante der Grazer Musikszene. Ursprünglich im Spannungsfeld zwischen Punk und Dub beheimatet, sind diese beiden Strömungen auch in »Blue Perfidia« allgegenwärtig, wenn auch nicht allzu vordergründig. So nimmt das Studio in Répéters Musik einen zentralen Stellenwert ein, denn hier wird der Sound in bester Dub-Tradition gecraftet, geshuffelt und gecuttet. Wie bei seinen ersten beiden Alben »In Fine Style« und »Bad Twang«, die weitgehend unbemerkt von der hiesigen Musikszene bei den hippen Bristolern von Bokeh Versions erschienen sind, meint man auch diesmal, eine Bigband vor sich zu haben. Weit gefehlt, denn Répéter zimmert uns mit »Blue Perfidia« einen illusionären Raum nach allen Regeln der Studiokunst. Nach zwei Introtakten, die vielleicht seiner DJ-Vergangenheit geschuldet sind, shufflen bereits die ersten Hawaii-Riffs über die metallische Percussion, man denke etwa an Ferrero Miniatur-Ölfässer und Streichholzschachteln in Studioqualität. Dazu verkünden Hook- und Bassline unheilvoll im Duett: »Your Ship Will Go Down«. Unten bei den Delphinen streicht Finnas Trompete sanft über den Rhythmus und Répéter lässt es ordentlich scheppern – die Ölfässchen sind dann doch größer als gedacht. Während sich der Sound mal mehr, mal weniger Dub annähert, inszeniert »Snake Oil Salesman« über die von Hallfahnen umspülte Bassline eine neue Perspektive: Die glockig-metallische Percussion kommt plötzlich nicht mehr von der Brücke, sondern aus dem Schiffsrumpf. Das Unvermeidliche passiert, das Schiff bricht entzwei, ein fieser Trick, schön inszeniert. »Escapist Fantasies« verspricht mit subtilem Kickdrum-Stakkato das Eintauchen in experimentellere Gefilde, die jedoch erst mit »Drinking The Kool Aid« erreicht werden – dem letzten und zugleich auch stärksten Track des Albums, der auch der Soundsystem-Idee von Dancehall am nächsten kommt. Répéters spielerischer Umgang mit Sein und Schein ist dabei nicht bloß ein formaler Aspekt, sondern dient auch der Dekolonialisierung des eigenen Sounds. Die Grenzen sind klar abgesteckt: Die Aneignung von Kulturtechniken ist in Ordnung, die von Kultur nicht. So sampelt und resampelt Répéter viele eigene Sounds und Melodien, während man Versatzstücke anderer Musiker*innen, Samplebanken oder gar abgekupferte Basslines auf »Blue Perfidia« vergebens sucht. Répéter entgeht damit auch geschickt der Retrofalle, denn der Blick bleibt stets nach vorne gerichtet, no turning back! In diesem Sinne ist »Blue Perfidia« ein zeitloses und zukunftsweisendes Werk – das jedoch stets auf der Suche bleibt nach einem Ort, der nur im Studio existiert.