Wolfgang Mitterer

»Radio Fractal/Beat Music«

hatOLOGY/Lotus

Dieses Doppelalbum lässt komplexe Gedanken und sensible Prozesse erkennen. Zunächst wäre da das kombinierte akustische und elektronische Line-up (Max Nagl, Herbert Reisinger und John Schröder treffen auf Dieb 13, Pulsinger& Tunakan). Es wird aber weit mehr miteinander verschmolzen, mögen das nun Praktiken der Musique concrète, Elektrobeats oder Improvisationen sein. Natürlich können Sie das Booklet lesen, in dem das Konzept hinter diesem Auftragswerk der Donaueschinger Musiktage des Jahres 2002 ausführlich dargelegt wird. Genauso gut können Sie aber die CDs hören, auf denen dieses Konzept umgesetzt wurde. Die Tonqualität ist hier nicht nur ein Produkt der Technik, sondern resultiert aus der vermutlich in vielen anderen elektroakustischen Arbeiten zur Meisterschaft gebrachten Fähigkeit Mitterers, Soundscapes und Klangräume entstehen zu lassen. Zwar gibt es Solisten, dennoch wird die Aufmerksamkeit nie auf ein einzelnes Solo gelenkt, zwar liegen der Musik Beats zugrunde, dennoch werden diese niemals zum dominierenden Faktor, und was immer passiert, es scheint nur ein weiteres Element des gesamten Stückes zu sein. Das Ganze lässt sich auch nicht wirklich an einem Stil festmachen, obwohl man natürlich Bezüge herstellen könnte, das ist aber auch schon alles, und genau darin liegt meiner Meinung nach die Besonderheit dieser Produktion. Dass Mitterer der Komponist dieser Musik ist, steht außer Zweifel, er ist der Pilot und Steuermann, der mit den anderen Beteiligten das Werk erschafft und dabei wie ein Dirigent von oben alles überschaut und lenkt. Genauso klar ist, dass wir hier eine eigene Welt betreten: Sie ist gebaut aus den Ideen und Gedanken eines intensiven und abwechslungsreichen musikalischen Lebens. Ein sehr ergiebiges Album.