Hannes Moser © Katrin Rehling

Quarantänetalk #10 mit Hannes Moser

Schlagzeuger Hannes Moser von Scarabeusdream hat sich trotz teils stressigen Lebens bemüßigt gefühlt, unsere Fragen im »Quarantänetalk« zu beantworten.

Es wird speziell. Hannes Moser, Schlagzeuger und neben Bernd Supper einer der beiden Protagonisten von Scarabeusdream – einer der besten Bands der hiesigen Breitengrade – sowie Weggefährte von Hermes Phettberg, stand uns freundlicherweise zur Verfügung, um die bereits jetzt legendären Fragen zur COVID-19-Krise auf skug.at zu beantworten. Erst neulich feierte der ewig Jungbleibende seinen 40. Geburtstag – zu dem wir ihm weitere 40 gesunde Jahre wünschen –, nun hat er neben der Beantwortung unserer Fragen Zeit gefunden, selbst den Götterboten zu spielen und Hermes Phettberg dieselben Fragen zu überbringen. Man darf also auch gespannt sein auf das folgende Interview.

skug: Auf einer Regenbogenskala von Rot bis Lila: Was ist gefühlsmäßig dein persönliches Corona-Farbspektrum?
Hannes Moser: Schwarz!

Wie ist deine Quarantäne-Wohnsituation?
Ich habe zwei Quarantäne-Wohnsitze. Einmal in Wien und einmal auf der Intensivstation – nicht unbedingt als Patient, sondern als chronische Hobby-Krankenschwester. An beiden Orten darf ich mein Chaos in ein soziales Gefüge setzen. Viele Menschen unterstützen mich dabei und versuchen, meinem Leben eine gewisse Struktur zu geben.

Wie oft gehst du raus? Wie schützt du dich und andere?
Ich gehe meist nur zum Einkaufen raus. Ich habe schon sehr früh angefangen, eine Maske zu tragen, da ich gemerkt habe, dass alle einen Sicherheitsabstand nehmen, wenn du mit Maske vorbeigehst. Ich meide jeden Sozialkontakt und habe Gefallen daran gefunden. Dass ich meinen physischen Kontakt zu Hermes einstellen musste, hat mich aber schon irgendwie traurig gemacht.

Wie ist dein Tagesablauf in der Krise? Hast du Rituale?
Da ich das letzte Jahr mit Scarabeusdream viel auf Tour war, hab’ ich einige Zeit benötigt, mein Messi-Chaos vom Vorjahr zu beseitigen. Was ich da alles gefunden hab’ … Es war auch eine tote Libelle unter meinem Kopfpolster … keine Ahnung, wie lange die schon dort gelegen ist? Mein Tagesablauf gestaltet sich an einem freien Tag so: aufstehen, weil mein Gedärm es mir befiehlt (fürs Protokoll: ich benötige sehr wenig Klopapier!), essen, meiner Freundin Katrin auf die Nerven gehen (ich kann sehr mühsam sein, besonders wenn ich irgendeinem Wahn meinerseits nachgehe), Lärm (Musik) machen, sprunghaft sein, telefonieren/videochatten, danach essen, ganz selten Körperpflege durchführen, mühsame Filme gucken, schlafen.

(Wie) hältst du dich fit und bei Laune?
Ich schlafe viel und dann reg’ ich mich auf, wenn ich nicht mehr schlafen kann. Ich esse viel Kichererbsen, Heidelbeeren und Äpfel … so veganes Zeugs halt. Ganz selten gehe ich raus. Dann reg’ ich mich über alles auf, wie ich es von den echten Mundls (Wienern) gelernt habe. Das hält den Kreislauf in Schwung und man hat dann sowas wie Psychohygiene betrieben. Ich habe »Gott sei Dank« keine Kinder im Keller … das würde mich rein klopapiertechnisch sowieso überfordern. Zeitweise trinke ich einige Liter an Alkohol – wenn schon, dann muss man es total übertreiben. Wenn gar nichts mehr geht, dann schauʼ ich kurz ins Gefrierfach und betrachte eine gebrauchte Windelhose, die schon einige Jahre dort verweilt. Sie hält mich dann bei Laune. Das windelproduzierende Kind wird diese zu einem passenden Zeitpunkt wieder zurückbekommen. Das ist schon ein gewisses Ziel, welches ich für die Zukunft anstrebe.

Wie intensiv verfolgst du öffentliche Debatten?
Ich hab’ manchmal das Gefühl, Journalisten und Politiker kennen sich generell besser mit einer Pandemie aus als Fachleute. Einige müssen auch während ihrer Homeoffice-Zeit bei Humboldt den »Endemischen Pandemieexperten 2« gemacht haben.

Welche Handcreme benutzt du?
Mein eigenes Ejakulat ist die beste Creme. Sie ist DIY, Fair Trade und 100 % vegan. Solange man kein Postorgasmic-Illness-Syndrom hat, ist es völlig unbedenklich.

Welche Musik, Filme, Serien, Bücher empfiehlst du?
Musik: Brian Lawlor and Zac Pennington: »Always & Only the Lonely (Music from The Dorothy K)«, Film: David Fincher: »Fight Club«, Bücher: Reinhard Larsen, Thomas Ziegenfuss, Alexander Mathes: »Beatmung« (Springer).

Wähle aus und begründe (Mehrfachauswahl möglich):
– A: Dosenwerfen aus Passata-Dosen
– B: Höhle bauen und Hörspiele hören
– C: Bier-Yoga
– D: …
D: Windelhose anschauen gehen.

In welches Tier würdest du dich gerne verwandeln?
In einen Zeckʼ.