archive-image-placeholder-v2

Placebo – Radiokulturhaus Wien, 14.04.2006

Man kann die Welt teilen in Gut und Böse, in Schwarz und Weiß, Irakkrieg-Gegner und Irakkrieg-Befürworter … in Nicht-Placebo und Placebo-Fans. Im Gegensatz zu den Irakkrieg-Fürsprechern werden letztere immer mehr.

Mochten auch einige, vor dem Livegig, den Placebo letzten Freitag im Radiokulturhaus spielten, meine Begeisterung mit leicht verständnislosem Kopfschütteln quittieren, die Mehrheit stellten sie nicht. Eine abstrus hohe Anzahl an Menschen hatte sich am Gewinnspiel des öffentlich-rechtlichen »Alternative«-Radiosenders der Nation beteiligt, in Foren wurden 500 Euro für ein Ticket geboten, junge Damen tippten sich am Telefon die Finger wund, Hotels wurden belagert. Placebo live, acoustic only. Welch ein Fest!

Und eine nette Geste, dass die, die dann am Freitag ohne Karte im Nasskalten vor dem Radiokulturhaus standen zu dem Konzert eingelassen wurden. Wie Weihnachten, ach vergesst das, es ist ja Ostern. Ein Fest der Hoffnung.

Und dann das Konzert: neun Songs, acht vom neuen Album. Eine Zugabe, dazwischen »Decay«. Ein Klavier, zwei, drei Akustikgitarren, ein Schlagzeug, ein Keyboard, die Band, zwei Tourmusiker. Pedanten würden das Ergebnis wohl »Nearby«-Unplugged-Konzert nennen. Das Publikum selig. Brian Molko kann singen!

Endlich einmal ganz Fan sein können. Am Freitag war’s mir nicht peinlich. Martin Blumenaus andächtige Introduktion, das Publikum zwischen leisem Lauschen und frenetischem Beifall. Ich in der ersten Reihe. Die Texte fielen wie schwarze Perlen wenn ich meine Augen schloß. Ein anderer Fan hat Tags drauf im Radio gesagt: »Schöner hätt’s nur sein können wenn Placebo ganz allein für mich in meinem Wohnzimmer gespielt hätten.« Ich kann nur nicken.

favicon

Home / Musik / Konzert

Text
Sanna Samsara

Veröffentlichung
18.04.2006

Schlagwörter

Ähnliche Beiträge

Scroll to Top