Karen Mantler

Pet Project

Virgin Classics

Fast ein Dezennium ist vergangen, seit Familienkater Arnold das Zeitliche gesegnet hat. Für Karen Mantler kein Grund, das treue Tier endlich in Frieden ruhen zu lassen und die Trauerzeit zu beenden. Auch das jüngste »Pet Project« ist erfüllt vom Wehklagen um den Verlust des geliebten Haustieres. Was grundsätzlich vorerst einmal ziemlich nervt. Sieht man von dieser Abschiedsschwere ab, die im Prinzip sämtliche Alben seit anno dazumal durchzieht, so kann das jüngste Opus der Tochter Carla Bleys und Michael Mantlers allerdings durchaus mit Qualitäten aufwarten.
Zwei bekannte musikalische Trümpfe spielt die 34-jährige erneut souverän aus: Zum einen ihre glasklare, mädchenhaft-natürliche Stimme, mit deren suggestiver Naivität sie einmal mehr gekonnt kokettiert; zum anderen die Geschmackssicherheit, mit der sie ihrer neunköpfigen Mini-Bigband schlichte, schwungvolle Kammermusikstücke mit Einflüssen aus Jazz, Minimal und Pop auf den Leib schneidert, und deren Wirkung sie durch gekonnte Instrumentierung verstärkt.
Mit Eric Mingus als überzeugendem vokalen Widerpart entspinnt sich ein Plot von ansatzweise musikdramatischen Ambitionen. Schade nur, dass Mantler das improvisatorische Potential von Kapazundern wie Gary Valente, Hiram Bullock oder Steven Bernstein nahezu ungenützt lässt – dafür darf Carla Bley im letzten Stück ein bißchen ins C-Melody-Sax tröten. Dennoch: Das »Pet Project« ist kein schlechter Wurf. Und ein amüsanter obendrein.