Throbbing Gristle

»Part Two: The Endless Not«

Industrial Records/Mute/EMI

Die erste TG-Studio-Platte, nachdem 1981 erklärt worden war: »Mission is terminated«. Gleich vorweg: »Part Two« ist wider Erwarten eine richtig gute Platte geworden, ohne wenn und aber. Definitive Empfehlung. »Part Two« klingt mehr nach Coil, Psychic TV und Chris & Cosey, was ja zu erwarten war. Am ehesten werden Stimmungen wie bei »In the Nursery« und »SixSixSixties« beschworen. Sechs Tracks stammen von TG, vier sind Eigenkompositionen der Bandmitglieder. Gleich die erste Nummer geht als eine Art Initiation durch, in der TG die ganze Bandbreite ihrer langen musikalischen Erfahrung mit unbequemen, mythischen und vertrackten Themen bloßlegen. Respekt vor dieser Konsequenz. »Greasy Spoon« lässt mit seinen Bass-Slides und -Feedbacks an Zeiten von »2.nd Annual Report« denken. Genesis P-Orridge singt in »anhörbarer« Manier, dafür hat er/sie/es sich sicher jede Menge spät-60er-Folkbands zwischen Love und Pearls Before Swine angehört. Dazu kommt, wie beim »heimlichen Hit« »Almost a Kiss« und besonders bei »Rabbit Snare«, eine Rückbesinnung oder zumindest Versöhnung mit dem Blues, als hier ganz klar Jazz-Patterns für Klavier und Echo-Kornett Pate gestanden haben. Lärm wird man hier umsonst suchen: Vielmehr ist »Part Two« in einem Ambient-Gefilde angesiedelt, das indes unbestritten als »TG’s own country« durchgeht. Sie bleiben einem wie auch immer gearteten Naheverhältnis zu repetitiven Beats oder gar Club-Musik praktisch komplett abhold, vielmehr verorten sie sich mit der Platte als — klar — schwerst mit Codes aus der Popkultur aufgeladene Band, die mit Pop nach wie vor aber nichts zu schaffen hat. Mit den Jungspunden, die ähnlich gelagerte, der Einfachheit halber »Dark Ambient« genannte Musik machen, nehmen es diese alten Säcke alle Mal auf. »Better an old demon than a new god« (W.S. Burroughs). Passt wie die Faust aufs Auge.