Now Vs Now

»The Buffering Cocoon«

Jazzland/Edel

Ein schönes Multi-Crossover-Album bringen Now Vs Now mit »The Buffering Cocoon«. Vom Bandnamen, der eher an eine 1970er-Jahre Krautrock-Formation oder eine 2010er Instagram-Folk-Band denken lässt, darf man sich nicht beirren lassen. Now Vs Now stopfen düstere Gegenwartsvisionen in einen Smoothie-Mixer und fördern eine äußerst heterogene, stimulierende Masse zutage, die von entspanntem Barjazz (Wurlitzer Piano!), Dancehall, Elektronik à la Aphex Twin und ausgeklügeltem Ambient bis zu post-rockigen Spannungsexplosionen reicht und das alles äußerst frisch und gekonnt verbindet, so als hätten Jaga Jazzist ihre Mitglieder auf drei Personen reduziert und diese dann ganz ausgetauscht, gegen neue Musiker, die sie aus ihrem innovativen Tief heraus auf eine wieder andere, ausgefuchste Ebene befördern.

Hauptangelpunkt dieses Albums ist Jason Lindner, der das auch klar ausdrückt, bezüglich der Gründung der Band 2006: »Mir war danach, als Solokünstler im Rampenlicht zu stehen, und nicht bloß als Arrangeur eines großen Ensembles.« Kann er sich auch gerne erlauben, muss nicht mehr im Schatten der Namen stehen, die ihn einst bzw. die er einst begleitete: Meshell Ndegeocello, Anat und Avishai Cohen, Chick Corea, Mulatu Astatke, Angelique Kidjo (Talking Heads Cover!), Donny McCaslin und – das lässt die Behauptung zu, dass ihm wirklich jedeR schon einmal zumindest unbewusst gelauscht hat – David Bowie. Dort hat Tony Visconti ihn nämlich für »Blackstar« eingeladen.

Das Ergebnis spricht für sich. Lindners überaus spaciges, gefühlvolles, mal gelassenes, mal aggressives Spiel erwidern seine Sidemen mit Verve: Justin Tyson mit abwechslungsreichem Schlagzeug, das neben anständigem Groove auch mal schnelle, verzwickt-verzwackte Breakbeats spielt und generell enorm wandlungsfähig daherkommt. Bassist Panagiotis Andreous mit verzerrtem, coolem Bass, der ungehörte, eindrucksvolle Klänge von sich gibt, die von dem eklektischen, multiethnischen Einflussbereich von Lindners Musikhintergrund zeugen. Ein Endzeitszenario, das Spaß macht. Nicht unerwähnt bleiben soll die Arbeit des brasilianischen Graffiti-Künstlers Joao Salomao (Pixote), der für Artwork und Fonts zuständig war. Was wenige wissen: In São Paulo ist es verboten, Werbung für Geschäfte, Läden, Restaurants an Gebäude zu hängen, was zur Folge hat, dass diese grandiosen, selbstgestalteten Schriftarten nun die Häuser des ganzen Landes verzieren und Auskunft über deren Bewohner oder Besitzer geben. Fazit: Knüller.