Das Bierbeben

»No Future No Past«

Shitkatapult/ Kompakt/ MDM

Das Bierbeben ist ein schwieriger Fall. Das Projekt besteht aus Mitgliedern von mehr als 15 Bands, deren Bekanntheitsgrad von gering(Kurt Später, Motorambo) über mittelmäßig (Pop Tarts, Die Regierung) bis zu sehr hoch (Tocotronic, Superpunk, Stella) reicht. Das kann fein säuberlich aufgelistet auf dem Cover nachgelesen werden; welche Musiker nun genau dahinter stecken lässt sich im Booklet nicht in Erfahrung zu bringen. Vermutlich geht’s hier nicht um Individuen, sondern um eine Bewegung, denn das, was Das Bierbeben machen, nennt sich PUNK, aber so richtig. Genauer gesagt, oha, Elektro-Punk. Selten war das böse Wort passender. Die Beats rumpeln in guter Shitkatapult-Manier trocken, dreckig, trashig dahin, das Fundament ist Techno, weil, Gitarren sind jawohl nicht mehr so DAS Ding, und an Acid kann man sich auch noch erinnern. Dem kann rhythmisches Kopfnicken entgegen gebracht werden, und die Vorstellung, dass zu dieser Musik schon mal jemand in Wien, Berlin oder Hamburg eine kesse Sohle aufs Parkett gelegt hat, wird niemand als an den Haaren herbei gezogen abtun. Problematisch sind die Texte. Anstatt des zu erwartenden Zitat-Pop gibt’s Parolen, Slogans für die Häuserwand und Punk-Referenzen. Alles sehr plakativ
(»Deutschlands Mauern Fallen«, »Mach Deinen Fernseher Kaputt«, »Reih Dich Ein«), aber so soll das wohl sein, Punk eben, denn es geht ja nicht darum, was man heutzutage noch sagen kann, sondern was gesagt werden muss. Das kann man dann je nach Gemütszustand und Wetterlage nervtötend, in seiner Naivität und Dringlichkeit überwältigend, super-smart ausgedacht, umwerfend oder einfach nur albern finden. Der Grat zwischen clever und dämlich ist oft ein schmaler.