Jozef van Wissem

Narcissus Drowning

Persephone

Diese CD in irgendeine Schublade zu stecken sollte äußerst schwer fallen. Gelingt es dem Niederländer Jozef van Wissem hier doch, Alte und Neue Musik, Blues und Pop, E und U, also letztlich auch Alte und Neue Welt, unter einen Hut zu bringen. Hat der Lautenist bei seinem Vorgängerwerk »Retrograde Renaissance Lute« noch Stücke u.a. der Renaissance-Komponisten Hans Newsidler und Jacob Reys bearbeitet, in dem er sie von hinten nach vorne spielte, interpretiert er diesmal ausschließlich eigene Kompositionen. Auch diese sind als Palindrome angelegt, soll heißen, sie könnten auch andersrum gelesen werden. Was sich in der Theorie reichlich konstruiert und kopflastig anhört, klingt in der praktischen Umsetzung ausgesprochen unverkrampft. So verbindet sich Wissems virtuoses, minimalistisches Lautenspiel mit kargen Electronics und martialisch dumpfem Getrommel zu seltsam zeit- und raumloser Musik. Und nicht zuletzt dank Gary Lucas‘ gelegentlicher Dobro-Beiträge werden auch Verächter Alter Musik mit dieser großartigen CD etwas anfangen können.