Koch_Schütz_Studer & Christian Uetz & Beny von Moos

Mysterienspiel live in der Jesuitenkirchen

Disques VDE-Gallo

»Man wir abgebrüht und älter« oder so sangen mal ein paar Austopoper in einem ihrer Rafrains. Eigentlich lauter fürchterlich altkluge Sachen, die diese Leute von sich gaben, ohne einen Funken Rock’n’Roll und Rebellion und Leben. Aber gut, manchmal trifft derartiger Realismus leider zu. Je mehr Musik mich umgibt, desto abgebrühter werde ich, kaum einmal mehr reißt mich was zu Begeisterungsstürmen hin. Eine Konzert von David Thomas konnte einmal leisten, dass ich tagelang sprachlos war, Neurosis schaffen dies immer wieder. Oder, um im hier zu besprechenden Feld zu bleiben, die unergründliche Schönheit von Trapist oder diverse Impro-Projekte der beiden Sonic Youth Gitarristen.
Sehr selten also wird die kindliche Begeisterungsfähigkeit geweckt, umso schöner ist es, passiert es doch.
So wie hier und jetzt. Da liegt unerwartet die neue Koch Schütz Studer CD im Postkasten, Vorfreude ist groß, die Begeisterung schließlich unendlich. Das Ding ist so mysteriös fesselnd, so packend, wie für mich im Moment sonst nichts.
Wie schon auf der vorhergehenden Veröffentlichung »Live im Schiffbau« (intakt) ist auch diesmal wieder der Dichter Christian Uetz mit dabei – er verleiht dem Ganzen den besonderen Reiz. Und ist auch voller Weisheiten, aber anderer Natur als die einleitende. »Du Idiot von Realist merkst nicht einmal, dass du existierst«. Und weiter: » Deine Scheinexistenz ist eine Scheißexistenz«. Danke.
Im wunderbaren Booklet sind Fotos von der hier zu hörenden Performance, die in der Luzerner Jesuitenkirche von Beny von Moos beleuchtet wurde – und alleine diese Fotos rechtfertigen den Kauf der CD – oder anders gesagt verunmöglichen das Kopieren, denn diese Veröffentlichung ist einfach ein gelungenes Gesamtkunstwerk.
Die Musik von Koch Schütz Studer noch zu kommentieren (von kritisieren mag ich hier gar nicht reden) grenzt ja beinahe schon an ein Sakrileg. Man könnte nur noch kurz erwähnen, dass die Qualität der Aufnahme außergewöhnlich gut ist, sprich das foahrt soundmässig wie geht – und der eigenwillige, teils recht verhallte Sound vermittelt gut die Magie des Ortes der Aufnahme, eines Sakralraumes. Stellenweise dichter denn je, mehr Hardcore als Chambermusic zelebrierend, dann wieder im Sinne des Gesamtwerkes zurückgenommen und die Texte untermalend, immer aber mit solcher Energie und Lust gespielt, wie man es viel zu selten hört. Impro ist die lebendigste aller Musiken, spontan und lustvoll, nur haben das leider viel Improvisatoren vergessen. Koch Schütz Studer rufen es unüberhörbar in Erinnerung.

»Unser Wahn. Der wir sind in Wahrheit. Dein Wahn weihe Welt. Mein Wein wachse. Unser Kind wehe, wie im Willen, so in Wirklichkeit. Lach uns heute unser Lachen, und verlach meine Verliebtverrücktheit, wie auch ich verlach die Verfaulverfallenheit. Und verlier uns nicht in Vergessenverlassen, sondern verschone uns von Verneinvernichtung. Denn unser ist das Wort und der Wille und die Wunschnichtheit in Wundrigkeit. Jawohl.« (Uetz)