Tashi Dorji

»Mother Of All Saints (Puppet On A String)«

Unrock

Die vorliegende Veröffentlichung ist die vierte in einer fortzusetzenden Reihe von kuratierten Split-LPs auf Unrock. Die ausgewählten Musiker_innen eint bisher sowohl ein gewisser anti-akademischer Stallgeruch als auch ein gerüttelt Maß an avantgardistischer Außerordentlichkeit: Alan Bishop, Sam Shalabi, Bill Orcutt und Sir Richard Bishop – allesamt Vorzeigequerköpfe des musikalischen Undergrounds – kamen zum Zug, ergänzt um eine Dame nur, Ava Mendoza, ebenfalls eine Musikerin sehr eigenen Stils. Auf »Mother Of All Saints (Puppet On A String)« erneut zwei Herren: Eyvind Kang und Tashi Dorji. Der eine spielt Viola (gutbürgerlich auch Bratsche genannt), der andere Gitarre. Virtuos beherrschen beide ihre Instrumente (Kang allerdings im Trio mit Percussion und Cello), es kommt keine Langeweile auf und Genre-Grenze spielen nur als Erinnerung eine Rolle: Irgendwo zwischen Free Jazz, Freier Improvisation und World Music finden die Musiker zwischen den Stühlen ihr Plätzchen, bleiben stehen und spielen weiter. Das ist vom Ansatz her heutzutage keine absolute Neuerung mehr, wird aber im Rahmen der »Unrock Saraswati Series« sehr schön präsentiert (die ersten 100 Exemplare der nur auf Vinyl erhältlichen Veröffentlichung sind mit einer Bonus-7“ ausgestattet und werden schnell vergriffen sein!) und es ist der Reihe zu wünschen, dass sie noch mehr Aufmerksamkeit findet und weiterhin auf hohem musikalischen Niveau bestehen kann. Ironisch überspitzt könnte man sagen, die Zielgruppe für diese Veröffentlichungen hat ein Abonnement des englischen Wire, besucht das Donau- oder Moers-Festival und ist eher Û30. Das muss nicht zwingend so sein – wäre aber auch nicht schlimm!