Anima

»Monte Alto«

playloud!

Erstmal das Finanzielle: Dass diese Platte wieder veröffentlicht wird war nicht nur überfällig – nein, es spart auch einiges an Kleingeld im Vergleich zum Original-Exemplar dieser 1977 im Eigenverlag (Alter Pfarrhof Produktion) von Paul und Limpe Fuchs veröffentlichten Aufnahme. »Monte Alto« war die vierte LP des Duos, das bis in die 1980er Jahre hinein aktiv war, und dessen bessere Hälfte, Limpe Fuchs, bis heute als improvisierende Musikerin und Klangkünstlerin immer noch zu wenig bekannt ist. Das eher lahme Wortspiel mit der »besseren Hälfte« ist insofern passend, als auch die B-Seite von »Monte Alto«, die bessere bzw. herausragende ist, weil sie mit »Piano Toscana« eine Solo-Piano-Improvisation von Limpe Fuchs enthält und damit einen historisch seltenen Moment im Werk von Anima dokumentiert. Die Titel gebende A-Seite kennzeichnet den typischen Sound des Duos: allerlei Percussions- und Blasinstrumente sowie die Stimme von Limpe Fuchs verbinden sich zu einem kurzweiligen und inspirierten musikalischen Durcheinander. Spontane, teils chaotisch anmutende Musik. Auf den Spuren von John Cage und Harry Partch oder vergleichbar mit Walter Maiolis Experimenten mit prähistorischen Klangerzeugern, forschten Anima nach Musik, die für auf den Kammerton gestimmte Ohren ungewöhnlich klingen musste. Die Ohren davon zu befreien und mittels Klang in die Seele (lat. Anima) der Zuhörenden zu gelangen, darin bestand das archaische Anliegen von Anima Sound. Inwiefern dies dem Duo gelungen ist wurde zu Beginn der 1970er Jahre in einer Fernsehdokumentation festgehalten, in deren Verlauf staunende Bürger_innen mit offenen Mündern vor Anima Sound stehen und nicht recht wissen, wie ihnen geschieht. Von dieser überraschenden Ausdruckskraft hat die Musik auf »Monte Alto« nach über 40 Jahren nichts verloren – und auch Limpe Fuchs versteht es weiterhin, ihr Publikum zu überraschen. Es lohnt sich also nicht nur, die wieder zugänglich gemachte Aufnahme von 1977 zu hören, sondern auch eines der Konzerte von Limpe Fuchs zu besuchen, die sich über die Jahrzehnte hinweg treu blieb ohne sich zu wiederholen.