The Clean

»Mister Pop«

Morr Music/Hoanzl

Circa anno 1987 rollte die Neuseeland-Welle durch die europäische Indie-Landschaft. Eine überdurchschnittlich hohe Dichte famoser Bands machte von sich reden. Die Welle losgetreten hatte das kleine Flying-Nun-Label und ganz besonders deren Werkschau in Vinylform, betitelt »Tuatara«. Wir wendeten unser Interesse respektvoll gen … naja, ziemlich genau auf die andere Seite der Erdkugel, und lernten, dass es dort Städte namens Dunedin, Christchurch und Auckland gibt – die natürlich voller guter Bands waren, die wunderbare, meist sehr melodie- und songorientierte Platten machten. Eine der wichtigsten Bands dieser Szene (neben den Chills, Tall Dwarfs, Verlaines, Sneaky Feelings …) waren The Clean. Eigentlich starteten sie schon 1978 als Punk-Band, gaben überhaupt erst Anlass zur Gründung des Flying-Nun-Labels und sorgten auch für dessen erste Veröffentlichung. Wie einflussreich ihr Status auch immer war, heute sind The Clean hierzulande so gut wie vergessen. Soviel zur Vergangenheit. Nun haben sie auf Morr Music eine neue CD herausgebracht – und knüpfen fast nahtlos an ihren Sound späten Achtziger Jahre an. Eher getragene, melodiereiche, mit viel Orgelsound garnierte und in 60’s Psychedelia getränkte Stücke schlendern lässig aus den Speakern. Spektakulär ist anders – wobei The Clean das eh nie waren, vielleicht mit Ausnahme ihres Minimal-Pop-Klassikers »Don’t Point That Thing At Me«, ein Stück für die sprichwörtliche Insel. »Are You Really On Drugs?« fragen sie heute in einem ihrer Stücke, ca. 50 Mal, kein weiterer Text. Mindestens die Hälfte der Stücke hätten Hitcharakter, wären sie steriler produziert und von operierten Frauen gesungen. Sie sind der Soundtrack eines beschaulichen Sommers, der schon bald in den letzten Zügen liegt.