Merzbow, Mats Gustafsson, Balázs Pándi

»Cuts Open«

Rare Noise Records

Meditationen müssen nicht in der Stille oder gar ohne jede kleine Stressentwicklung vonstattengehen. Es reicht ja schon, wenn man ein paar Gongs und Becken und so weiter hört – dann stellt sich der Körper automatisch auf Heilung ein. In diesem Falle fördern Masami Akita (Merzbow), Mats Gustafsson und Balázs Pándi alle drei eine perkussive Grundstimmung, die dann von den ersten beiden gewohnt krachial und verzerrt verziert wird. Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde. Wie es ziept und dröhnt. Aber es bleibt angenehm, so angenehm wie ein Trupp tibetischer Buddhaknaben, die irgendwie mit allem klimpern, aber weil ihre Herzen so rein und ihre Seelen so erfüllt vom göttlichen Glanze sind, klingt das doch alles äußerst ausgeglichen und bringt die Chakren in Wallung. »I Went Down To Brother«, »And We Went Home«, »We Went Up To Mother«, »He Locked The Door«. So heißen die vier Stücke und sie setzen die Geschichte fort, die 2003 in selber Formation mit »Cuts« begann und 2015, unterstützt von Thurston Moore, auf »Cuts of Guilt, Cuts Deeper« weitererzählt wurde. Wer die drei Leute etwas kennt, dürfte bei diesen vier Improvisationen überrascht sein, besonders von der relativen Ruhe in Akitas Parts. Dazu kommt, dass Mats Gustafsson, der ja bekannt ist für auch extreme Ausbrüche, hier vor allem seine sehr ruhige, äußerst warme, subtile Seite zeigt. Das alles verschwimmt zu einer ganzen, zum Teil düsteren Stimmung, mal unheimlich, immer aber mitreißend, wobei das Schlagzeug mit den zu vernehmenden Schlägen die einzigen rhythmischen Anhaltspunkte gibt. Was nicht heißt, dass es ab der Mitte des zweiten Stücks nicht auch ausartet und Schweiß treibt. Tom-Tom-Geknalle, Noise-Attacken und Elektro-Sturm, die sich gegenseitig ins Extreme forcen. Es wird etwas rockig, schnellt nach vorne, Track 3 fließt ereignisreich und stetig daher, Gustafsson greift mal wieder zu seinem Holzgebläse, was sehr schön klingt, von woanders quietscht es, dann wird es ganz intim, ASMR. Und bei der letzten, mit 17 Minuten kürzesten Improvisation bricht scheinbar aus ihnen heraus, was vorher noch verborgen war. Zwar für Pándi, Merzbow und Gustafsson erst gemäßigt, aber doch etwas, es entwickelt sich zu einem vorher kaum mehr erwarteten Sturm. Dann Teufelsschreie aus der Gustafsson’schen Ballerröhre und Free-Jazziges, jaulendes Ende. Schmeckt in den Ohren, reinigt die Gedanken.