Mephisto Halabi

»The Arabic Room«

Unrock

Julius Masri lebt in den USA, geboren wurde er im Libanon, und mit »The Arabic Room« veröffentlicht er unter dem Alias Mephisto Halabi ein Debüt-Album, das diesen autobiographischen Zusammenhang musikalisch auslotet. Das Album lebt von großer stilistischer Diversität und verdankt seine hybride ästhetische Form – wie angemerkt – der Auseinandersetzung mit der eigenen Migrationserfahrung und der damit einhergehenden Existenz in der Diaspora. So weit, so abstrakt, aber was soll das im vorliegenden Fall heißen bzw. wie klingt das? In einem Interview bemerkt Masri hierzu: »I remember once waking up to what I thought was the sound of thunder, but it turned out to be the 1983 invasion of Beirut spilling into our town. […] I’m not sure if I can make direct connections between these experiences and what I do musically« – und daher erschöpft sich das Album auch nicht in kurzlebigem Agit-Prop, im Gegenteil, es problematisiert eher jene Zusammenhänge, hinterfragt die eigene Identität und stellt seine Widersprüchlichkeit humorvoll in den Vordergrund. Das zeigt sich u. a. an wunderbar bescheuerten Titeln wie »The New Sandy Bull Shit«, der vor dem Hintergrund der eigenen Herkunft aus dem Nahen Osten den popkulturellen Exotismus (hier der 1960’s-Gegenkultur) aufs Korn nimmt – und aus diesem Spannungsverhältnis oder Wechselspiel zieht das ganze Album seine Kraft. Musikalisch geht es entsprechend kurzweilig und wild durcheinander: Elektronisch-krautige Synthesizer, verzerrte psychedelische Gitarren, Free-Jazz-Schlagzeug, Sprachfetzen (wahrscheinlich arabischer Herkunft) und folkloristische Einsprengsel, die – wie erwähnt – ihre Ursprünge in Anführungszeichen setzen und ihre Wirkung eher verballhornen (und darin problematisieren) als beides authentisch sinnsuchend herauszustellen, verschmelzen zu einer abwechslungsreichen Tour de Force durch ein musikalisch inspiriertes Gehirn, das exemplarisch für ungezählte Musiker*innen der Gegenwart steht, die in ihrer Kreativität ganz selbstverständlich unterschiedlichste Einflüsse und Welten miteinander verbinden und – gewissermaßen nebenbei aber nicht zufällig – zeigen, wie man musikalisch vermeintlich heterogenes Material miteinander zum Klingen bringen und so auch einen Weg ästhetisch andeuten kann, wie man ganz real klarkommen kann, ohne den ganzen identitären Scheiß.