Dorninger

»Membrane«

base records

»Membrane« kommt als 64-minütige Klangstudie im formschönen Doppel-7“ inklusive Download-Tracks daher. Der Linzer Musiker und Labelbetreiber Fadi Dorninger (Wipeout, Dorn; Base Rec.) hat sich in seinen Soloarbeiten auf Soundforschungen und Fieldrecordings spezialisiert, die er, wie im vorliegenden Fall, zwischen 2010 und 2012 from all around the world (etwa die Region Mustang in Nepal oder das österreichische Asten) zusammengetragen hat. Wobei, der Anordnung nach mehr oder weniger offensichtlichen rhythmischen Kriterien kann er auch hier nicht widerstehen. Inwieweit eine derartige Weiterverarbeitung nun die (quasi) dokumentarische Charakteristik der Aufnahmen durcheinanderwirbelt, sei dahingestellt. Wichtiger ist, wie die daraus gewonnenen Montagen Sounds und Rhythmen evozieren, abstecken und in gewisser Weise transzendieren. Man könnte glauben, es irgendwie mit Singles aus dem RRR-Stock der späteren 1980er zu tun zu haben. Das ist zumindest eine gewisse Fährte. Viel eher sind es allerdings Geräuschrohstoffe, deren Inhalte sich metatextuell erschließen; concrètehafte Abstraktion des Klangs und des Alltags als akustische Einträge ins Kursbuch zusammengefasst. Thematisch anknüpfend an Sounddokumentationen (»Nasca«, »Hisatsinom«), stellt »Membrane« mit dem Material aus vorangegangenen Veröffentlichungen (etwa The Smiling Buddhas: »Alps« und »Atacama«) ein weiteres Transformationslevel her, bei dem nun wieder alles offen ist. Es ließe sich auch sagen, »Membrane« führt die Ambivalenz der Quelle und des Hörens vor Ohren.