Melvins

»Working With God«

Ipecac

»Does humor belong in music?«, fragte einst Zappas Frank und heute wie damals lautet die Antwort: »Klaron, vorausgesetzt, er ist gut.« Die Melvins haben seit je dem recht männlichen Genre des Grunge und Doom und Sludge einen Comic-haften, leicht albernen Anstrich gegeben, welcher der mitunter brutal heftigen Musik eine Prise Humor verlieh, die das Ganze so erträglich und unterhaltsam machte. Und dank dem man nicht vor maskuliner, Testosteron-schwangerer Animosität in die Knie geht. Auch auf dem neuen Album sind die Riffs der irren Wuselfrisur Buzz wie gewohnt ungemein cool und verspielt, groovig und spektakulär. Die Melvins, hier wieder im 1983er-Line-up Buzz Osborne, Dale Crover und Mike Dillard, gibt es ja mittlerweile auch bald 40 Jahre und da darf man auch gerne ein Auge zudrücken, wenn mal eine oder mehrere Nummern danebengehen. Es sollte bloß nicht so ausarten, dass das Gefühl entsteht, es würde einfach alles wahllos aufgenommen und rausgehauen (wie beispielsweise auf »Working With God«). Dafür gibt es doch eigentlich das Internet und YouTube. Beispiel direkt der Opener »I Fuck Around«, der selbst als Hidden Track geskipped gehört. Es ist diese Art von Spaßnummern, die sich leider mehrfach in ihre Alben einschleichen und wohl eher für Die-Hard-Fans auf farbige Singles gepresst werden sollten als auf eine LP, die von vorne bis hinten durchgehört werden will. Ebenso »Fuck You«, das, um auf das am Anfang angesprochene Thema zurückzukommen, humortechnisch alles andere als solide und eher bissi boomerhaft anmutet. Apropos Boomer. Boomermäßig sind ja auch Buzz Osbornes politische Ansichten, in denen er – U.S.A.! – Sozialismus und das dazugehörige Interesse am Gemeinwohl und der Unterstützung von Hilfsbedürftigen mit Faschismus in Verbindung bringt. Er selbst jedoch meinte in einem Interview, nicht in der Position zu stehen, um ökonomische Zuwendungen als Künstler ablehnen zu können (#AynRand). Staatliche Zuwendungen für Künstler*innen seien jedoch prinzipiell unfair, denn selbst Menschen, die kein Interesse an der Kunst haben, seien gezwungen, zu blechen. Diebstahl! »Do politics belong in music?«, fragt man sich und will es fast verneinen. Hier, in faschistischer Manier, am liebsten sogar verbieten. Und die Melvins im Gegenzug zwingen, mal mehr Songs zu schreiben, die in Richtung »Negative No No« oder »Bouncing Rick« gehen. Letzterer hat was Industrial-mäßiges (Ministry), »Caddy Daddy« lässt an klassischen Melvins-Sludge der Hochzeit denken und dementsprechend leicht mitwippen. »Boy Mike« wieder speedy industrial. »The Great Good Place« eine schöne »Ballade«, wenn man so will … Insgesamt dann jedoch bloß nett. Es fehlt an Songwriting, das aus den – zumindest spärlich vorhandenen – Ideen was macht, das im Ohr hängen bleibt und bei dem man – wie bei älteren Nummern der Band – immer wieder zurückspult.