D Bayne

»Meditations On Present Time«

Luminescence Records

Ende April entschied irgendjemand bei unserer Internetfirma, dass es mit unbezahlten Rechnungen nun wirklich reichte und schaltete uns den Lebenssaft ab. Saßen wir nun, unserer Identitäten beraubt (das soll gar nicht so antifacebookistisch abgedroschen klingen, so fühlt es sich wirklich an, als müsse man noch einmal ganz neu lernen, zu kommunizieren, das Leben zu organisieren) und hatten viel, viel Zeit. Für Miteinander, für Lesen. Für auch scheinbar Krudes wie etwa D Baynes »Meditations on Present Time«: Musik, basierend auf atmosphärischem Klangmaterial, aufgenommen in ver- schiedenen Settings im ländlichen wie im städtischen Raum, die an Witold LutosÅ‚awskis Technik des Aleotorischen Kontrapunktes anschließt, an Conlon Nancarrows Arbeiten mit selbstspielendem Klavier. Verrät das Info-Sheet, und weil ich weder nachprüfen konnte, ob das so stimmt, geschweige denn eine Ahnung hatte, was Aleotorische Kontrapunkte sind, blieb, das einfach hinzunehmen. Und, endlich wieder: Musik zu hören. Einfach so. D Baynes Musik funktioniert so allerbestens. Die Field- recordings sind selbst voller versteckter Rhythmen und Melodien, an und in die hinein das Klavier des Komponisten und Pianisten, der seinerzeit bei Stockhausen und Richard Toop studierte, Spuren gräbt und vorhandene ausleuchtet. Es entsteht eine musikalische Suchbewegung, die sich von den Narra- tiven der Orte nicht loslösen lässt. Und die die Hörenden automatisch mit zu Suchenden macht, wenn sie die Zeit sich zu nehmen bereit sind, die Aufmerksamkeit fokussieren. Auf ein sehr bemerkens- wertes, atmosphärisches, konzeptstarkes Stück Musik.