archive-image-placeholder-v2

Endpunkt retour. Für jemanden, dem Billy Corgan in erster Linie Sinnbild des verklemmten Migränemäuschens war, kam ich mir richtig klangliberal vor, mich mit dem Folgeprojekt der Smashing Pumpkins zu konfrontieren. Dieses zaudernde, stockende Stück Mannzwerg, von dem man erst eine Bibellänge lang vorgelitten bekommt, bevor man was vernünftiges zu Hören kriegt. Und doch war da »Siamese Dream«, eines der leidenschaftlichsten, glänzenden Stücke Träller-Grunge aus den Rausverkaufsjahren von SubPop. Später sollte König Glatzkopf einem mit Ersatzchristentum im Dornenchord etliche MTV-Stunden vergällen, aber damals hatte man mit Rotz und Glorie den Punkt getroffen. Nach zehn Jahren der Selbstauflösung klingt das Zwan-Debüt haargenau wie das, was man damals als Nachfolger erhoffte. Stattdessen gab es eine Dekade des Suizids, der Selbstvernichtung, des sinnentleerten Greinens, das Unscharen subkultureller Doofköpfe voll erzkatholischer Cobain-Komplexe unglaublich cool fanden. »Mary Star Of The Sea« aber ist perfekte Wiedergeburt im Rückwärtsgang. Paisley-getränkter, »positiv« gestimmter Rockkrawall aus der besten US-Schule, sprich Replacements, Mission Of Burma, Mitt-Ära Sonic Youth. Die Neuinterpretation der 70er-Beatles als wiedergetauftes Drogenkind. Erdbeertortenfelder forever!

favicon

Home / Rezensionen

Text
Paul Poet

Veröffentlichung
14.06.2003

Schlagwörter


Scroll to Top