Marilyn Mazur’s Shamania

»Rerooting«

Clap Your Hands

Die dänische Komponistin und Perkussionistin Marilyn Mazur zählt zweifelsohne zu den Größten ihres Fachs. In ihrer über 50 Jahre andauernden musikalischen Laufbahn verstand sie es stets, sich von verschiedensten Rhythmuskulturen inspirieren zu lassen. Sie spielte u. a. mit Miles Davis (»Aura«), Wayne Shorter, Gil Evans und Jan Garbarek. Regelmäßig arbeitete Mazur mit der ebenfalls in Dänemark beheimateten Pianistin Makiko Hirabayashi zusammen. Diese ist auch Teil des von Mazur 2015 gegründeten All-female-Tentetts Shamania. Auf dem frischen Schweizer Label Clap Your Hands ist soeben deren zweites Album »Rerooting« erschienen. »Ihr schamanischer Geist basiert auf der Idee einer modernen Stammesversammlung weiblicher musikalischer Kräfte, die sich ganz auf Rhythmus, Körper und Stimme in einem experimentellen Kontext konzentriert«, weiß der Pressetext. In der Tat funktioniert das knapp einstündige Zusammenspiel, dem sprichwörtlichen Ensemble-Gedanken verpflichtet, nahezu perfekt. Das Titelstück zelebriert, nach pandemiebedingter Selbstisolation endlich wieder gemeinsam spielen zu können. »Together again« erklingt es da harmonisch einprägsam, wenn Leadsängerin Josefine Cronholm und die anderen Musikerinnen ihre Stimmen erheben. Zuweilen geht es auf dem Album auch sphärisch, getragen zu. Und inmitten eines reichhaltigen Aufgebots an Perkussionsinstrumenten dürfen auch »Gongs For Peace« nicht fehlen. Aber keine Angst: Die instrumentale Klasse der versammelten Musikerinnen verhindert Verirrungen in seicht-esoterische Klangschalenlandschaften. Etliche der 16 Tracks weisen einen hohen Grad an Power und Wiedererkennungswert auf. In »Bali Bala« spielt Mazur ein mitreißendes Balaphon; Ida Gormsens Bassline funkt so prägnant wie im Titelsong und dem »Circular Chant«. Über das dichte Rhythmusgeflecht des Chants erhebt sich wiederum Lotte Ankers starkes Tenorsax. Und mit Anker und Schlagzeugerin Anna Lund (u. a. bei Anna Högberg Attack) an Bord, kann sich die schamanische Kraft auch eine willkommene Spur freier und rauer – hört »Virtual Towers« sowie das kurze, auf Lunds Drumsolo basierende »Unison Tower« – entfalten.