»Mama Africa - Miriam Makeba«

Miriam Makeba war schon zu Lebzeiten eine Legende. Mit seinem Dokumentarfilm »Mama Africa« setzt ihr Mika Kaurismäki ein filmisches Denkmal.

1967 wurde der Song »Pata Pata« zum Welthit und dessen Interpretin Miriam Makeba zum internationalen Star. Das fröhliche Tanzliedchen sollte die südafrikanische Sängerin bis zum Lebensende begleiten und verfolgen – in einem Interview gab sie zu, den Song wegen seines oberflächlichen Texts nicht besonders zu mögen und sich zu wünschen, eines ihrer Lieder mit tiefsinnigerem Inhalt wäre ihr grö&szligter Hit. Dennoch weigerte sie sich nie »Pata Pata« anzustimmen und dazu zu tanzen. Mit reiner Unterhaltungsmusik und Folklore hatte die 1932 in Prospect Township bei Johannesburg geborene Sängerin von Beginn an nichts am Hut. Natürlich liegen ihre musikalischen Wurzeln in der Volksmusik ihrer Heimat, doch Jazz und populäre Musik des Westens waren seit dem Anfang ihrer öffentlichen Auftritte in verschiedenen Musikformationen starke Einflüsse. Ihre Band »The Skylarks« war nach dem Vorbild von US-Girlgroups der 1950er-Jahre formiert. Miriam Makeba bezeichnete ihre Lieder als nicht-politisch, sie singe einfach über ihr Leben. Es war das Leben einer schwarzen Frau im System der Apartheid, das Leben einer Exilantin und einer Anhängerin der Bürgerrechtsbewegung in den USA und einer Menschenrechtsaktivistin.

WeggefährtInnen erzählen

Mika Kaurismäkis Porträt zeichnet den Weg Miriam Makebas, die 2008 verstarb, gro&szligteils chronologisch nach. In Interviews sprechen MitmusikerInnen. Freunde und FreundInnen sowie Verwandte über die Grande Dame afrikanischer Popmusik. Auch geht die filmische Reise zurück an viele der Orte, an denen Makeba lebte und wirkte, sie selbst kommt in zahlreichen Archivaufnahmen zu Wort. Natürlich kommt auch die Musik nicht zu kurz; frühe Aufnahmen und Konzertausschnitte aus drei Jahrzehnten zeigen das weite Spektrum der Musik Makebas. Zu Beginn des Films wird sie von Paul Simon vorgestellt, auf dessen »Graceland Tour« sie 1987 auftrat. Es sollten noch mehr als zehn Jahre vergehen bis sie, 1990 von Nelson Mandela eingeladen, nach Jahrzehnten des Exils in ihre südafrikanische Heimat zurückkehren sollte. Die Stationen ihres Lebens kommentiert die berühmte Sängerin in vielen Gesprächen selbst. Wie erwähnt sind es vorwiegend musikalische WeggefährtInnen, u. a. ihr erster Ehemann Hugh Rampolo Masekela, die von Höhen und Tiefen, Schicksalsschlägen und umwerfenden Erfolgen erzählen. Besonders ihre Enkelkinder Zenzi Monique Lee und Nelson Lumumba Lee, die Miriam Makeba nach dem frühen Tod ihrer Tochter Bongi aufzog, geben Auskunft über diese au&szligergewöhnliche Frau. Die Schattenseiten, welche die engagierte aber auch rastlose Persönlichkeit wohl doch ebenso hatte, werden nur angedeutet. Wer so viel gibt als Musikerin und Weltstar, als Kämpferin für Freiheit und Menschenrechte, als Mutter und Gro&szligmutter, geht sicher zeitweilig über die Grenzen des Menschenmöglichen hinaus. Kaurismäki enthält sich eines Kommentars, lässt andere Menschen und vor allem Bilder und Musik sprechen.

»Mama Africa – Miriam Makeba«: Finnland/Deutschland 2011. Regie: Mika Kaurismäki

Ab 23. Dezember 2011 in österreichischen Kinos