Ms. John Soda

»Loom«

Moor

Ursprünglich war Ms. John Soda ab 1998 ein Soloprojekt von Ex-Couch Stefanie Böhm, das das 2001 mit Micha Acher (The Notwist, Tied & Tickled Trio usw.) zum Duo wurde. Neben einigen Singles und EPs ist »Loom« nach »Notes On The Like« (2006) erst die dritte Produktion in voller Länge, was am extrem beschäftigten Acher und der Babypause von Böhm liegt. Das Etikett Indietronics, das dem Sound des Duos (das mit der der Zeit zum Quartett wurde) ist nicht das unpassendste und rückt Ms. John Soda in die Nähe von Lali Puna und, wenig überraschend, The Notwist mit all seinen Verzweigungen. Würde man einem Blindtest unterzogen, könnte man vermutlich nicht sagen wer das ist, aber eine Zuordnung zum Hause Morr würde sich aufdrängen. Schon durch diese speziellen, analog anmutenden Electronics und den kaum in den Vordergrund gemischten Reverb-Gesang von Böhm, was ein eindrucksvolles Miteinander und nicht nur Nebeneinander zeitigt. Der Labelinfo ist zu entnehmen, dass sich »Loom« auch als Webstuhl übersetzen lässt. Das ist eine starke Metapher dafür, wie diese zehn Stücke sowohl auf inhaltlicher als auch auf materialästhetischer Ebene funktionieren. Verwoben, oder nach aktuellerer Diktion auch vernetzt, werden Personen zu Gruppen (»Millions«), Gedanken, Gegensätze, und natürlich Sounds plus Stimme. Es fällt nicht leicht einzelne Songs herauszuheben, so homogen ist dieser Zyklus. Den Positionseffekt für sich nützen können »In My Arms« zu Beginn mit seiner traurigen und doch irgendwie sich auflehnenden Koloratur, sowie das mäandernde, vom Piano markierte »Fall Away« zum Kehraus. »Hero Whales« hebt nach ruhigem Intro auf einem gewebten fliegenden Teppich mit bedrohlicher Grundierung richtig ab und »Sirens« ist der zackige, geradlinige Durchmarschierer mit süffiger Melodie. Sehr leiwandes Album. Vielleicht wär’s möglich die Spanne bis zum nächsten Release kürzer zu halten.

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