Löwenherz, ich hör dich jazzeln!

»Loewenherz« hat kürzlich sechs CDs rund um den Pianisten Hannes Löschel veröffentlicht (alle im Vertrieb der Extraplatte). Zwei mal Elektroakustik mit Josef Novotny und Thomas Lehn, vier mal Jazz mit oder um Paul Skrepek und Martin Zrost erfreut fast immer.

Dokumentiert wird mit dieser Reihe der state of the art des Trios, das 1997 mit dem Hans Koller Preis ausgezeichnet wurde. »AY« von LÖSCHEL (Piano, Sampler), SKREPEK (Drums), ZROST (E-Bass, Saxophon) macht den Anfang. Strukturen, die die klassischen Wurzeln Löschels durchklingen lassen, dominieren. Sehr zurückgenommen und viel zu wohlüberlegt wird hier großteils ausnotiertes Material geboten. Wirklich spontan wirkt die Musik, die eher lustloses Gejazzel ist, selten. Sehr viel spannender ist das nächste Stück in der Reihe: »Albert«. Löschel ist an Melodica, Harmonium und Sampler zu hören, was das klangliche Spektrum sehr erweitert. Kopfkino, inspiriert von den Geschichten des alten Albert in einem New Yorker Cafe, leise, viel Zeit beanspruchend, meist improvisiert und dank nervös schabendem Beserlschlagzeug oft richtige Krimiatmosphäre aufbauend.
»While You Wait« ist die einzige ältere Sache (1996) unter ansonsten aktuellen Aufnahmen. Sehr ruhig, film-noir-Stimmung verbreitend, dank des oft zu hörenden präparierten Pianos auch schön schräg. Man wartet, ganz dem Titel entsprechend. Und tatsächlich wird man nicht selten von den Wendungen der Musik überrascht. Das Warten lohnt sich. »Perilous Nightwalk« (LÖSCHEL/SKREPEK/PETER HERBERT) ist eine Hommage an »The Perilous Night« von John Cage und dem entsprechend klingt das Ganze auch. Will heißen recht minimalistisch und ziemlich schön, veredelt besonders durch Herberts wunderbares Bassspiel. »Excentriques« von ANTASTEN (Löschel feat. Josef Novotny und Thomas Lehn) baut besonders auf den intrumentalen Gegebenheiten auf, die bei allen dreien ähnlich sind. »Excentriques ist eine Weiterführung einer Improvisationsidee, die ihren Ausgangspunkt beim Solo-Klavierspiel nahm«, so Löschel. Das Klavier wird hier durch einen Analogsynthie und diverse Liveelektronik verfremdet und erweitert. Meist konkrete Klänge (als Kontrast zu den sonst gerade in Wien oft zu hörenden »Flächen«) bauen lange Spannungsbögen, oft durchbrochen von Lehns akustischen Wahnsinnstaten, die sich aber meist gut ins ohnehin sehr eckige Klangbild einfügen. »Echos An Den Kegelrändern« ist das Trio ANTASTEN mit den Gästen MARTIN SIEWERT und DIDI BRUCKMAYR, aufgenommen zum Teil im Wiener rhiz am selben Tag wie oben besprochene Platte. Bruckmayr veredelt die elektroakustischen Kraterlandschaften auf bekannte Art und Weise, Siewert ist leider nur ein Mal zu hören, bringt dabei aber mit seiner Lapsteel Ruhe und Puls in die Musik. Unterschiedlichste Dinge also, die aber besonders durch ihre Gleichzeitigkeit (bei Aufnahme und Veröffentlichung) interessant sind.