Koch/Schütz/Studer & Christian Uetz

Live im Schiffsbau

Intakt Records

Gestatten, ich möchte kurz rekapitulieren: »Hardcore Chambermusic«, der Klassiker sozusagen, markierte 1995 den Ausgangspunkt – und ist bis heute das einzige reine Trio-Album der Schweizer Improvisatoren und Klangforscher. Es folgten Aufnahmen mit dem ägyptischen Ensemble »Nil Troop« und »Fidel«, ein Cuba-Ausflug. Alles Variationen über den grassierenden Weltmusik-Wahnsinn, die ebenso großartig wie verstörend waren und sind. »Roots and Wires« mit den DJs M. Singe und I-Sound als Abstecher nach New York und in den experimentellen Turntablismus war der nächste, logische Schritt. Mit »Live im Schiffsbau«, gemeinsam mit dem Schweizer Schriftsteller Uetz, wagen sich Koch-Schütz-Studer nun ins Reich des gesprochenen Wortes.
So wie sie es immer geschafft haben, ihren sehr eigenen Improvisationsstil beizubehalten und doch auf jeden der völlig verschiedenen Partner einzugehen gelingt dies auch hier wieder bestens. Musikalisch ist die CD Wahnsinn wie gehabt, »Hardcore Cambermusik« ist immer noch Programm, von sensiblen Improvisationen bis hin zu Metal-Riffs ist vieles zu hören, der Einsatz elektronischer Gerätschaften macht den Sound immens dicht und für ein »Jazz« Trio außergewöhnlich. Aber Jazz wollen die drei sicher nicht hören, denn fortschreitender Erstarrung setzen sie Spontaneität entgegen, statt postmoderne Paradigmen krampfhaft zu erfüllen, wird hier mit so einer Lust dekonstruiert und wieder neu zusammengesetzt, über Sinn und Unsinn musiziert, dass es gehörig Respekt verlangt. Dazwischen, darüber, darunter die Texte von Christian Uetz. Worte, die sich um Worte drehen, Wortklang- und Sinn verschränken sich ineinander, die Texte werden in rasender Geschwindigkeit vorgetragen, wiederholt, verfremdet, auf den Kopf gestellt. Worte, wie gemacht für diese Musik, den Kopf fordernd aber auch einfach nur Freude bereitend, je nach Rezeption.