France

»Live ì L'Ottfest«

Ana Ott

France sind – Ûberraschung! – eine französische Band, die, seit sie 2011 zum Beginn und zum Abschluss eines Kraak Festivals im belgischen Aalst spielten, legendär sind. Warum? Weil sie fähig sind, einen musikalischen Mahlstrom zu verursachen, der geeignet ist, alles in sich zu verschlingen. Wie machen sie das? Mit Bass, Schlagzeug und Hurdy-Gurdy, auch Drehleier genannt. Klingt einfach, ist es aber nicht, denn es setzt ziemlich viel Kondition voraus. Aber der Reihe nach … France bestehen aus Jeremie Sauvage, Mathieu Tilly, Yann Gourdon. Sie veröffentlichen seit ca. zehn Jahren Musik, die als eine schweißtreibende Variante von Minimal Music gekennzeichnet werden kann, denn die ekstatischen Auftritte verlangen sowohl den Musikern als auch ihrem Publikum einiges ab. Mitunter entfalten sich die repetitiven Improvisationen über die Dauer von über einer Stunde und stoisch bedienen die drei Musiker währenddessen ihre Instrumente ohne dabei aus dem Takt zu geraten – und ihr Publikum gerät in einen Zustand halb Trance, halb Rage. Ich weiß, wovon ich rede, ich war einmal dabei. Nicht dabei war ich in Duisburg als »Live ì L’Ottfest« aufgezeichnet wurde. 1 Stunde, 11 Minuten und 53 Sekunden hypnotischer Wahnsinn. Neu! (»Hallo Gallo«), La Monte Young und Velvet Underground (»Sister Ray«) in einen Hexenkessel geworfen und die Verstärker auf 11 gedreht! Erbarmungslos, ergreifend, erleuchtend! »Music is the healing force of the universe« (Albert Ayler) – wer eines Beweises jüngeren Datums bedarf, der greife zu France und nehme ein elektrisches Vollbad.