Randi Tytingvåg

Let Go

Ozella

Böse Zungen behaupten, dass »female singer/songwriter jazz« spätestens seit Norah Jones für ihr Erstwerk mit acht Grammy Awards überflutet wurde, meist ein Synonym für recht harmlose, kulinarische Starbucks-Hintergrund-Wohlfühlmusik geworden ist – und die obligaten Presseinfo-Verweise zu skandinavischen Kolleginnen wie Rebekka Bakken und Beady Belle lassen dann auch gleich das erahnen, was die norwegische Sänger/Songschreiberin Randi Tyntivag im dritten Stück ihres (in Norwegen bereits 2006 erschienenen) Longplayers singt: »How many times have I opened that door / only to to find what I’ve seen before«. Es gibt sie auch auf diesem Album, die obligaten, klaviergetragenen Balladen mit der oft ein wenig gar ecken- und kantenlosen Wohlklang-Ästhetik, schön aber sets ein wenig beliebig. Es gibt aber auch Stücke wie den Opener »Rat Race«, eingeleitet von einem Geigenauftakt in bester Klezmer-Tradition, chansonhaft getragen von Akkordeon, Kontrabass, filigranem Klavierspiel und Tytingvågs im Vergleich zu einigen ihrer Genrekolleginnen angenehm ungekünstelter Stimme. Ein wenig Tango hier, ein wenig Chanson dort, spärlich arrangiert, den einzelnen Instrumenten genügend Raum lassend setzt »Let Go« zwischendurch einige schöne Akzente, von der versprochenen unbändigen Experimentierfreude oder der in der Künstlerbiographie angepriesenen Avantgarde (!) ist auf »Let Go« allerdings auch nach mehrmaligem Hören nicht wirklich viel spürbar, dafür versprüht Tytingvågs Zweitwerk, textlich ein wenig vordergründig nachdenklich, bei aller Gelungenheit, um ein Stück zuviel Wellness-Konsens.