Kuupuu

»Plz Tell Me«

Kraak

Im Zuge des Hypes um allerlei verdreht-psychedelische Musik, die im Mainstream hauptsächlich als New Weird America wahrgenommen wurde, aber ein internationales Phänomen war, ist auch Jonna Karanka mit ihrem Soloprojekt Kuupuu aus dem finnischen Underground hervorgetreten. Das ist nun auch schon wieder mehr als fünfzehn Jahre her und neben Kuupuu war Karanka in den letzten Jahren auch als Akteurin in vielen interessanten Bands aktiv. So spielte sie in der Post-Punk-Band Olimpia Splendid oder – zusammen mit Merja Kokkonen (Islaja) und Laura Naukkarinen (Lau Nau) – bei Hertta Lussu Ässä, einer Art Damen-Supergroup des finnischen Ablegers all der als »weird« katalogisierten Bands um die Mitte der 2000er. Mit »Plz Tell Me« erscheint nun das erste Kuupuu-Album seit 2013 (»Sisar«) – und da drängt sich die Frage auf, wie sich Jonna Karankas Sound seither verändert hat? Antwort: Im Grunde gar nicht, wenn man in Betracht zieht, dass ein zentrales Merkmal vieler der sogenannten »new weird« Bands und Projekte war, musikalische Stile als Steinbruch zu betrachten und mit Hilfe von Sampling-Techniken zu verarbeiten, was an Sounds eben interessant erschien und gnadenlos in die eigenen und sehr eigenwilligen und kleinteilig collagierten, elektronischen Klangwelten hineingeschraubt wurde. Je nach historischem Interesse, zeitgenössischen Neigungen und technischer Verfügbarkeit wurden und werden Klangfetzen durch Effektgeräte und Loop-Stations gejagt – und wenn irgendwo ein Wackelkontakt dazu führt, dass im Ergebnis nicht-intendierte Effekte mitzuhören sind, dann haben wir es (um mit Bob Ross zu sprechen) eben mit »happy little accidents« zu tun. Der Vergleich zu den Bildern von Ross wird hier nicht eines billigen Lachers wegen gezogen. In der Ermutigung zur kreativen Selbstermächtigung finden Karanka und Ross eine gemeinsame Grundlage. Ross war kein Rembrandt, Karanka ist nicht Delia Derbyshire. Und das ist auch gar nicht zu bemängeln. Der eine wie die andere waren bzw. sind eigenständige Künstler*innen, sie mach(t)en – den historisch veränderten Rahmenbedingungen entsprechend – ihr eigenes Ding und mit ihrem Tun ermutig(t)en sie andere, sich ebenfalls auszuprobieren: »You can do anything you want to do. This is your world.« (Ross). Es wurde in jüngerer Vergangenheit an DIY-Strukturen ja auch viel (nicht immer zu Unrecht) herumgekrittelt – allerdings ist es ein ideologischer Holzweg, das »Selbstmachen« mit Blick auf die herrschaftlichen Zumutungen von sogenannten neoliberalen Selbstverantwortungsstrukturen ausschließlich zu diskreditieren oder mittels Polemik zu entschärfen. Der eigenständige – und nicht der zugewiesene – Versuch, sich die Welt zu machen, wie sie (nachhaltig gestaltet, möchte man hinzufügen) »gefällt« (Pipi Langstrumpf), ist aktueller denn je; ästhetisch eigenwillige Strategien – hier Musik – »von unten« sind auch in politischer Hinsicht weiterhin relevant. Um jetzt noch ein, zwei Worte darüber zu verlieren, wie sie denn nun klingt, die Musik: kurzweilig, verträumt und – natürlich – »weird«, mit musikalischen Anleihen vom BBC Radiophonic Workshop bis hin zu zeitgenössischem HipHop.